Von Oliver Schröder, 18. September 2019

Treffen sich eine Snooker-Legende, ein Ambient-Elektroniker und ein Psychedelic-Rocker an der Bar: Was wie der Anfang eines Altherrenwitzes klingt, ist vielmehr die knappe, erstaunlich alltägliche Gründungsgeschichte von Utopia Strong.

Steve Davis, Michael J. York (Coil, Teleplasmiste) und Kavus Torabi (Gong, Cardiacs, Knifeworld) hingen 2017 zusammen auf dem Glastonbury Festival ab, entdeckten ihre gemeinsamen musikalischen Vorlieben und gründeten eine Band, deren gleichnamiges Debütalbum sich nun zwischen dem Proto-Ambient der Siebziger und den Frickelbeats der Nuller Jahre eingroovt. Das Ergebnis klingt dabei überraschend wenig nach krautigem Proberaum, sondern zwischenzeitlich eher nach dem Cooldown eines entspannten Raves, auf dem auf einmal alle einen guten Musikgeschmack haben. Klänge und Atmosphäre umwabern den Hörer teils wie die Lieblingsdecke, von der man genau weiß, wie sich die vertraute Textur auf der Haut anfühlt. Teils steht man aber auch unvermittelt in irgendeinem unterirdischen Club auf der Tanzfläche, drumherum zucken Lichter und Leiber.

Dieses Spannungsfeld macht „The Utopia Strong“ zu sperrig um es mal eben so nebenbei zu hören. Stattdessen ist Konzentration und Aufmerksamkeit gefordert, die hier aufgrund der Fülle an Ideen und Bandbreite aber gut investiert sind.

VÖ: 13. September 2019 via Rocket Recordings