Von Connor Endt, 15. November 2019

Einen Neuanfang wagen und alle alten Konventionen über Bord werfen: für ihr neues Album haben sich die Tindersticks einiges vorgenommen. Nachdem die letzten beiden Alben akribisch im Studio zusammengepuzzelt wurden, haben sich die Briten diesmal für einen schnelleren, spontaneren Prozess entschieden. Nach fünf Wochen war „No Treasure But Hope“ bereits im Kasten.

Musikalisch bleiben sich die Musiker treu und kombinieren wiederum wunderschöne Streicher-Arrangements mit verhaltenen Beats und Stuart Staples gefühlvoller Stimme. Songs wie „The Amputees“ erzeugen mit eingängigen Melodien, swingendem Schlagzeug und Percussion eine angenehm zurückhaltende Kaminfeuer-Atmosphäre. Überhaupt, man kann es gar nicht richtig glauben, dass dieses Album in gerade einmal fünf Wochen entstanden sein soll, viel zu durchdacht wirken die Arrangements, wenn sich Bläser und Streicher wie rote Fäden durch die Songs ziehen. An vielen Stellen muss man unweigerlich an Bands wie Lambchop oder EELS denken, die auch in ähnlichen Territorien unterwegs sind (oder waren).

Ein Kontrast bildet „See My Girls“, wenn statt getragenen Streichern minutenlang eine angeschlagene Triangel das Songgerüst bildet. Auch „Tough Love“ befreit sich aus dieser gewissen Lethargie, welche die Tindersticks immer leicht umschwirrt: Stuart wird von seinen Bandkollegen mit A-cappella-Gesang unterstützt, die Bläser steigern sich und am Ende drischt Earl Harvin ordentlich mit seinen Besen auf die Snare Drum ein.

Am Ende bleibt „No Treasure But Hope“ aber vor allem ein großer, beruhigender Ruhepol, ein Album zum nachdenklich durchs Herbstlaub stapfen, einfach eine Scheibe, die zum perfekten Zeitpunkt releast wurde.

04.02.2020 Berlin – Berliner Philharmonie
18.04.2020 Bochum – Schauspielhaus
19.04.2020 München – Prinzregententheater
20.04.2020 Hamburg – Laeiszhalle

VÖ: 15. November 2019 via City Slang