Von Säm Wagner, 19. Juli 2019

Mit gerade einmal 15 Minuten Musik schaffte es Tony Molina, mich 2018 zu überzeugen. Sein viertes Album „Kill The Lights“ landete an der Spitze meiner Jahrescharts. Die zehn Songs in 15 Minuten machten mich fertig. Wie konnte es sein, dass ich von Tony Molina noch nie gehört hatte?

Er hatte einfach mal so die Harmonien von Teenage Fanclub, die Melodien der Beatles und die Akkorde von Simon & Garfunkel geklaut und daraus wunderbare Popsongs gemacht. Songs, die meist kaum mehr als eine Minute dauerten und in denen gerade mal Zeit war, den Refrain ein einziges Mal unterzubringen. Das war so wunderschön. Danach bemerkte ich: Tony Molinas weitere Alben und EPs waren ähnlich stark. Und auch seine frühere Band Ovens schaffte es, viele gute Ideen und noch viel mehr Witz soweit es geht zu komprimieren und auf den Punkt zu bringen. (Super: Die „Triple LP“ von Ovens beinhaltet 44 Songs bei einer Spielzeit von weniger als einer Stunde.)

Jetzt meldet sich Tony Molina mit weiteren 15 Minuten Musik zurück. „Songs From San Mateo County“ ist sein B-Seiten-Album mit Songs, die es nicht auf die bisherigen Alben geschafft haben. Hier hört man zunächst Tony Molinas Heavy-Metal-Seite („Intro“,) um dann über leisen Folk hinüber zu Dinosaur Jr. und Weezer zu spazieren („I‘m Not Down“). „Songs From San Mateo County“ ist fuzzy und rau, fast Low-LoFi. Und trotzdem fällt wieder auf, welche verrückt großen Songs Tony Molina aus dem Ärmel schüttelt. Mal leise und zerbrechlich, mal unfassbar laut – selbst seinen inneren Kirk Hammett entdeckt Molina. Und am Ende landet er wieder bei einem der besten Simon-&-Garfunkel-Songs, die Paul Simon und Art Garfunkel nie geschrieben haben: „Don’t See Me Now“. 15 Minuten können so viel hergeben.

VÖ: 17. Juli 2019 via Smoking Room