Von Nico Beinke, 03. Dezember 2019

„Wer bin ich ohne die anderen? Kann ich immer noch ich sein, eine Identität haben, wenn ich nicht mit anderen Menschen kommuniziere? Ist Identität nicht etwas, das sich im Austausch mit anderen äußert, und durch das eigene Handeln? Oder ist unsozial sein und sich nur auf die Musik fokussieren, auch eine Identität?“

Essenzielle Fragen, wie sie sich stellen, wenn sich die Grundlagen ändern; der Lebensschwerpunkt nach Berlin verlagert wird, um sich zu isolieren und ausschließlich der Musik zu widmen. Tuva Hellum Marschhäuser entzieht sich selbst jedweder Evaluierung von außen und taucht wie Phönix aus der Asche, als mehrköpfige Hydra, wieder auf: Tuva + Band = Tuvaband, logisch.

Durch die Hinzunahme von Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard sind solch (philosophisch höchst heiklen) Fragen sicherlich besser vertonbar, als sie es zuvor als Tuva Soloprojekt gewesen sind. Die düster post-rockige Instrumental-Vorhölle „The Void“ scheint wie gemacht für ein paar existentialistische Fragen, wie sie die gefallenen Dichter in Dantes „Inferno“ gestellt haben mögen. „Wer bin ich – und wenn ja wie viele“ (Richard David Precht) ließe sich anführen, oder wie es Tuva vielleicht fragen würde: Wer bin ich – und wenn ja wie viele definieren dieses ich für mich?

Falls der Albumtitel „I Entered The Void“ die Reise in die Isolation beschreibt, wird sie durch Tuvabands düsteren Synthie-Prog-Folk bestens reflektiert. Das Delay auf Tuvas Gesang und der stete Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme ist sicherlich ein Ausdruck innerer Zerrissenheit. Dieses andauernde Auf und Ab ihrer Gesangs-Phrasierung beschreibt einen Kampf zwischen Intro- und Extraversion. Was es aber auch ist: Gewöhnungsbedürftig. Es ist sicher bereits herausfordernd genug, sich in die beklemmende Grundstimmung des Albums hineinzufühlen, was sich aber absolut lohnt. Und wer die Art der Gesangs-Darbietung als künstlerisch wertvolles Stilmittel akzeptieren kann, bekommt die einmalige Chance an einer emotionalen Berg- und Talfahrt teilzunehmen.

11.01.2020 München – Innen: Welt.-festival
12.01.2020 Mannheim – Peer23
13.01.2020 Stuttgart – Café Galao
14.01.2020 Mainz – Schon Schön
16.01.2020 Dortmund – FZW
17.01.2020 Köln – Wohngemeinschaft
18.01.2020 Hamburg – Hebebühne
19.01.2020 Berlin – Kantine am Berghain

VÖ: 29. November 2019 via Brilliance Records