Von Bernd Skischally, 02. August 2019

Es musste ja soweit kommen: Nach ungefähr doppelt so viel realisierten Album-Veröffentlichungen wie dieses Jahrzehnt Jahre hat, ist dem gerade einmal Anfang 30-jährigen Herrn nun langweilig – zumindest an seiner sonst so geliebten Fender-Gitarre. Ein neues Solo-Album gibt es trotzdem, „First Taste“ der Name. Statt wie gewohnt die Saiten zu malträtieren, erlebt man den Kalifornier diesmal zur Abwechslung ausschließlich beim Prügeln und Streicheln des Schlagzeugs.

Will er Gewicht verlieren? Womöglich. Will er zeigen, wie multitalentiert er ist? Wissen wir doch. Das Singen ist ihm zum Glück nicht vergangen, das klappt bei diesem Wunderknaben auch mit Drumsticks in der Hand. Dass die Platte am Ende eigentlich gar nicht so anders klingt wie so vieles aus dem Hause Segall, dafür sorgt Langzeitbuddy Charles Moothart, der einen derart massiv verzerrten und aufgepushten Synthesizer bedient, dass kein Fuzz-Auge trocken bleibt. Allen voran die Stücke „Taste“, „The Fall“ und „I Worship The Dog“ schieben einen samt Schweißattacke an die Wand und die Vermutung liegt nahe, dass Segalls Lieblingseffektgeräte wie das Death-By-Audio-Fuzz-War-Pedal auch den hier eingesetzten Synth ausgiebig heimgesucht haben.

Ansonsten experimentiert Ty Segall bei den insgesamt zwölf Stücken von „First Taste“ noch mit allerhand exotischer Instrumente, darunter die griechische Schalenhalslaute Bouzouki, die japanische Wölbbrettzither Koto und das abgefahrene 80er E-Board Omnichord, womit sich der Kreis zu seinen in der Vergangenheit bereits ausführlich zelebrierten beatelesken Flirtereien schließt. Besonders lässt er seine süßliche Seite diesmal bei der Single „Ice Plant“ („Let your love rain down on me, down on me“) und dem beinahe am schönsten groovenden Stück „The Arms“ hervor treten. Langeweile fürs Erste gebannt. Fortsetzung folgt. Bestimmt.

15.10.2019 Berlin – Festsaal Kreuzberg

VÖ: 02. August 2019 via Drag City