Von David Maneke, 28. November 2019

Kinder, wie die Zeit vergeht. Es ist mal wieder so weit, Alex Donat aka Vlimmer veröffentlicht das nunmehr 15. Kapitel seines Selbstfindungstrips (wir schrieben darüber). Auf ein Neues treibt es uns an die äußeren Grenzen dessen, was es eigentlich selber sein will; auf ein Neues werden wir dem Trivialen entrückt und in die bedrohliche Transzendenz der Vlimmer-Welt entführt. Schwarz kann so abwechslungsreich sein.

Überraschend ist, wie Vlimmer einfach nicht langweilig wird; obgleich der Sound sehr spezifisch und wiedererkennbar ist. Die größte musikalische Inspirationsquelle sind nach wie vor die Alternativen Achtziger, die man aber auch nur als Einfluss findet, wenn man danach sucht. Sorgsam werden musikalische Ideen umgearbeitet und ohne unnötigen Respekt vor den Wurzeln mit Ideen gekreuzt und/oder aktualisiert. Stellenweise ist Nummer „XIIIII“ ein bisschen konfrontativer, stellenweise aber auch ein wenig gesetzter als seine direkten Vorgänger – die Differenz bewegt sich aber nach wie vor in den treu eingehaltenen Grenzen Vlimmers, sind aber mehr Schwankung als Ausbruch und verleihen der EP durch die Inszenierung der Gegensätze des Gesamtbildes ein wenig mehr Tiefe als den Vorgängern. Gerade die sorgsam angeordnete Konfrontation des eher getragenerem „Zielzyklus“, das aber mit zunehmender Dauer eine subtile klangliche Macht entwickelt, und dem direkt nachfolgenden „Fluchtlauf“, in Musik gepackte Angst ums nackte Überleben, ist Zeugnis für die Stimmungsvielfalt, die auf eine Vlimmer-EP passt.

Gleichzeitig aber wirkt das Songwriting noch ein wenig reifer, die Songs alle für sich ein klitzekleines bisschen charakteristischer herausgearbeitet. Jeder einzelne von ihnen entwickelt eine ganz eigene Klangwelt. Porträts einer fantastischen Dunkelheit hat Vlimmer schon immer eindrucksvoll komponieren können, auf „XIIIII“ wird noch mehr mit den atmosphärischen Nuancen gespielt. Es wird vielleicht auch ein wenig persönlicher, die EP ist stressdominierter als die Vorgänger.

Bei all dem ist aber auch „XIIIII“ – natürlich – typisch Vlimmer. Das ist einerseits nicht allzu wahnsinnig überraschend, denn wie schon für „XIII/XIIII“ konstatiert ist das Projekt Vlimmer vor allem um die Regeln konstruiert, die den musikalisch-ästhetischen Spielraum begrenzen. Aber wie so oft liegt die eigentliche Größe nicht im Genie eines Moments, sondern in der Konstanz dessen, was zählt. Im Fall von Vlimmer ist es das Wandeln auf dem schmalen Grat direkt an der selbstverordneten Grenze. „XIIIII“ schiebt sie nicht nach draußen; sondern rückt nochmal näher ans Außerhalb – bleibt aber trotzdem immer da, verlässt den Pfad nicht. Und so entpuppt sich „XIIIII“ nicht nur als eine zwar gut hörbare, aber schön düstere, etwas stressige EP, sondern auch als weiteres Beweisstück dessen, dass Vlimmer konsequent an seiner eigenen Idee festhält.

VÖ: 29. November 2019 via Blackjack Illuminist Records