Von Oliver Schröder, 04. September 2020

Soft as Snow (But Warm Inside): Mittlerweile beim fünften Album angekommen, liefen Widowspeak bisher immer leicht unterhalb des Radars. Anfangs noch stark im Americana und Folksound verhaftet, haben sie mittlerweile einen eigenständigeren Sound gefunden, der runtergeht wie süßer Pflaumenlikör.

Vergleiche mit Mazzy Star begleiten Widowspeak bereits seit Beginn ihrer Karriere. Vielleicht kommt es daher, dass sie über einen gewissen Kennerstatus nicht hinausgekommen sind, denn wer kann es schon mit der seltsam-magischen Aura einer Hope Sandoval aufnehmen? „Plum“ könnte da der endgültige Befreiungsschlag sein, denn Molly Hamilton und Robert Earl Thomas kreieren hier aus neun variierenden Bildelementen ein glutrot leuchtendes Landschaftsportrait zwischen Dream- und Folkpop. Die vielen Anklänge an Bekanntes wurden mit so viel Liebe zum Detail zusammengestellt, dass man durchaus von handwerklicher Neuschöpfung sprechen kann. „Even True Love“ trägt beispielsweise die euphorisierte DNS von The Verves „Lucky Man“ in sich und bei „Amy“ kommt man dann doch nicht mehr um einen Verweis auf Mazzy Star herum, auch wenn sich Widowspeak hier mit mehr Popappeal durch ihren verführerisch verträumten Refrain bewegen.

Wenn man sich aber über derartige Bezüge aufreibt, kann man sich auch gleich darüber auslassen, warum sich Sonnenuntergänge manchmal ähneln. „Plum“ ist ein ganz einfach wunderbar melancholisches Wohlfühlalbum, das den Hörer fast schon auf altmodische Weise in den Arm nimmt. Und manchmal ist das einfach mal nötig.

VÖ: 28. August 2020 via Captured Tracks