Von Oliver Schröder, 10. Dezember 2019

Ein unruhiges Ticken, im Hintergrund schlagen Keyboards sanft an die Kirchturmglocke: „Paralanguage“ beginnt mit der Erkenntnis, dass die Uhr für uns alle irgendwann abläuft. Daran gibt es nichts zu beschönigen. Jeder muss damit irgendwie klarkommen. Und meistens bleibt man mit diesen Gedanken allein.

Will Samsons fünftes Album ist geprägt durch den Tod seines Vaters, oder vielmehr durch die Bewältigung dieses Verlustes. Als Analyse und Selbsttherapie verbindet sich hier pluckernde Elektronik mit schwebendem Folkpop. In der Kombination entsteht eine geradezu feierliche, introvertierte Melancholie, die die acht Songs entschleunigt und damit die Alltagswelt eindruckslos rasch vorbeiziehen lässt. Sie scheint keine Rolle mehr zu spielen, wenn die Seele beschädigt ist. Vielleicht ist die Begegnung mit der Endlichkeit der Grund, warum Samson vielfach Trost in unendlichen Naturszenarien sucht: In „Ochre Alps“ geht es um eine Traumsequenz auf schneebedeckten Bergen, das dazugehörige Video illustriert eine Robinson-Crusoe-Erlebnis als intime, körperliche Erfahrung am Meeresstrand.

Ganz am Ende in den letzten zwei Minuten bricht dann schließlich doch noch der Himmel auf und ein paar kräftige Lichtstrahlen in Form von unerwartet scharfem Gitarren-Twang machen kurz Hoffnung, bevor das Album so endet, wie es begonnen hat: mit dem unerbittlichem Ticken der Uhr.

30.01.2020 Berlin – ACUD
31.01.2020 Jena – Trafo

VÖ: 06. Dezember 2019 via Wichita Recordings