Von Nils Hartung, 01. November 2019

Flashback ’96: Belle and Sebastian bespielten damals gefühlt im Alleingang und äußerst erfolgreich das Terrain für introvertierten Indie-Folk. Heute, in einer Welt, die mehr denn je von Lautstärke und dem Gerangel um Präsenz lebt, fliegt nach innen Gekehrtes viel zu oft unbemerkt am Aufmerksamkeitsradar vorbei. Wie gut, dass uns trotzdem immer wieder Musik begleitet, die uns – zumindest für die Länge eines Albums – zum Teil einer Gegenbewegung werden lässt.

Ashley Rhodus kämpft als Wished Bone bereits zum zweiten Mal den Kampf der Zurückhaltenden. Ähnlich wie genannte Artverwandte findet auch „Sap Season“ seinen Platz zwischen minimalistisch gehaltenen Songs, die sich zwischen Psych-Pop/Folk auspendeln. Der konsequente Verzicht auf jegliche Art Pomp zieht sich auch durch Rhodus’ Texte. Beschrieben werden kleine Bildnisse von Figuren zwischen großen Ideen und geplatzten Träumen wie in „Cops“. Wirklich laut wird es auf „Sap Season“ so selten, dass schon die kleinste Gitarren-Schrammelei (e.g. „Pink Room“) als Ausbruchshöhepunkt wahrgenommen wird.

Ganz im Sinne einer wohldosierten DIY-Produktion wird die klassische Band-Formel nur punktuell durch Klavierminiaturen oder windschiefe Saxophon-Parts erweitert („Sarah“). Rhodus’ Stimme steht stets im Zentrum der Produktion und klingt gleichzeitig warm und verhuscht, als würde sie durch eine hauchdünne Hotelzimmerwand zu uns singen. Aufreger finden sich auf Sap Season ebenso wenig wie grüne Blätter an einem tristen Herbsttag. Dafür wecken Wished Bone wohlige Erinnerungen an all die introvertierten Indie-Helden der 90er, die dem Lärm ins Ohr zu flüstern vermochten.

VÖ: 01. November 2019 via Wished Bone