Text: Stefan Killer, 19. März 2021

Plüsch und Fuzz, Hooks und Krach, Leoparden- und Popmuster gehen auf „Stress“ Hand in Hand. Moment, Pabst hat ein neues Album veröffentlicht? Fast. Es ist das Debüt der Berliner Nachbarinnen 24/7 Diva Heaven. Das Trio bringt den Nostalgie-Millennial-Zug noch mal um ein gutes Stück weiter. Da dürfen Brüche mit Bräuchen vorangehender Generationen natürlich nicht fehlen.

Allen voran das Klischee, harte Gitarrenmusik sei nur real, wenn Musizierende entsprechend gekleidet sind und sich szenekonform verhalten. 24/7 Diva Heaven wird beidem gerecht – und dann wieder nicht. Erst spucken dir die Frauen ihren Unmut über verschwörungsschwangere patriarchale Strukturen ins Gesicht, dann bieten sie Hitanwärter wie „Bitter Lollipop“ in selbstironisch schulmädchenhafter Weezer-Manier dar.

Klanglich bewegt sich die Band mit viel Zerre und einem guten Gespür für Riffs. Was sofort auffällt, ist die ausbalancierte Waage zwischen fetten Akkorden, drahtigen Weirdosounds und Prolopop-Refrains („Head on Collision“). Wenn’s um den Inhalt geht, sind Karo Paschedag (Bass / Backingvocals), Mary Westphal (Schlagzeug / Backingvocals) und Katharina Ott-Alavi (Gitarre / Leadvocals) im erweiterten Dunstkreis feministischer wie diverser Subkultur verortet.

Mehr als eine Neunzigerkopie

Und auch, wenn es sich mit „Stress“ super in die Neunzigerjahre zurückfühlen lässt, die Musik geht bei genauem Hinhören weit über Alternative-Rock hinaus. Und der anfänglich gezogene Vergleich zu Pabst hinkt insofern, dass 24/7 Diva Heaven dafür schlicht zu grob, zu direkt klingt. Vor allem dreistimmiges Geplärre und das hohe Tempo in Songs wie „Death to“ oder „Topped with Cheese“ erinnern mehr an die Anfänge des Skate-Rock als an poppigen Grunge.

Wie auch immer die Einflüsse und Vorbilder geartet sein mögen, 24/7 Diva Heaven verfrachtet den Zeitgeist des ausgehenden vergangenen Jahrtausends ins Hier und Jetzt – ohne Pathos, ohne Zeigefinger, dafür mit viel diversem Aufruhr. Am Ende bleibt im Kopf, was sich grob und direkt als erster Vorschlaghammer für den Titel – wenn es ihn gäbe bei NEØLYD – „Album des Jahres“ bezeichnen lässt.

VÖ: 19. März 2021 via Noisolution