Text: Oliver Schröder, 25. Februar 2021

Warten auf fortissimo: Die Welt dreht sich kaum noch, wir dafür immer schneller – um uns selbst. 9ms beschäftigen sich auf wunderbar unbekümmerte Weise mit dem Thema Stillstand und Bewegung. In einer hölzernen Halle in den bayrischen Alpen experimentierte das Duo mit unterschiedlichen Sensoren und wandelte die entstandenen Impulse in Klänge um. Dabei entstand auf begrenztem Raum etwas, das man als den Klang der Freiheit bezeichnen kann.

Fazers Simon Popp und Florian König zeigen mit „Pleats“, wie beflügelnd es sein kann, wenn man sich von Kategorien und Hörgewohnheiten verabschiedet und sich einfach im Klangfluss treiben lässt. Wie man es von Popp gewohnt ist, bestehen die Stücke vornehmlich aus vielen einzelnen Punkten, die oft nur durch ein hauchdünnes Gewebe aus Dronesounds umhüllt werden. Auf einen Höhepunkt wartet man wartet meist vergeblich. Alles dreht sich, alles bewegt sich, ohne dass ein konkretes Ziel erkennbar ist, wodurch ein befriedigendes Gefühl der Genügsamkeit erzeugt wird.

„Raul“, das konventionellste und flotteste Stück in der Runde spielt in einem bedrohlich flackernden Tech-Noir-Setting aus retrofuturistischen Synthesizern. Der Rest aber lädt den Hörer zu einer Art Zeremonie ein, währenddessen man immer wieder an die Grenzen europäischer Rockmusiktraditionen geführt wird. Oft auch darüber hinaus. Vertraut wirkt hingegen die ein oder andere Anleihe an den Krautrock, vor allem was die rhythmische Schleifenbildung angeht. „Du musst monoton spielen, also immer wieder das gleiche, den gleichen Zyklus wiederholen, wiederholen, wiederholen“, sagte Can-Drummer Jackie Liebezeit einmal über seinen typischen Groove. Ganz so stoisch geht es auf „Pleats“ nicht zu, aber spätestens, wenn das letzte Stück „Joan“ sich am Ende nach und nach in einen klingenden Hauch verwandelt, hat man das Gefühl, der Ewigkeit beim Grooven zuzuhören.

VÖ: 26. Februar 2021 via Squama Recordings