Text: Oliver Schröder, 27. Mai 2022

„Das Leben ist ein Märchen, erzählt von einem Narren, voller Klang und Wut, das nichts bedeutet.“ – Macbeths Worte waren wohl so keinem Zeitpunkt so treffend wie zum jetzigen. Electro-Psych-Produzent Al Lover fasst das berühmte Shakespeare-Zitat treffend mit 13 Songs und zwei Worten zusammen: „Cosmic Joke“.

Und etwas dermaßen lächerlichem begegnet man am besten mit Old-School-Gelassenheit. In den Neunzigern nannte sich diese Mischung aus Hip-Hop-Beats, Dub und Ambient noch Trip-Hop. Der Begriff wirkt mittlerweile so aus der Zeit gefallen, wie Lovers retrofuturistischer Ansatz, Dinge aus der Vergangenheit hervorzuholen, um damit das Tempo der Gegenwart zu verringern und sich bewusst zu machen, dass sich das große Rad immer weiter dreht. 1991 leiteten Massive Attack mit „Hymn of The Big Wheel“ das neue Jahrzehnt ein: „Während der eine Mensch um sein Leben kämpft, hat der andere eine entspannte Zeit“.

Al Lover beschäftigt sich ebenfalls mit diesen Widersprüchen, einer Welt, in der Komödie und Tragödie ständig synchron laufen. Sein musikalisches Fazit ist ähnlich wie das der Band aus Bristol damals: Samples, Drumcomputer, analogen Synthies und Live-Instrumente ergeben einen zurückgelehnten Kommentar zur gegenwärtigen Lage, aus der man sich eigentlich nur in die Metaphysik zurückziehen möchte. Oder halt einen dicken Joint rauchen. Beides ist mit „Cosmic Joke“ hervorragend möglich. Falls die Stimmung dann trotzdem allzu düster werden sollte, liest man sich einfach die Trackliste durch. Spätestens bei den tollen Songtiteln, die sich anhören wie Episoden aus Big Bang Theory: „Reverberating Relationship“, „Linear Return Cycle“ oder „Integrated Paradox” versteht man die Pointe des „Cosmic Jokes“.

VÖ: 27. Mai 2022 via Fuzz Club Records