Text: Matthias Prawinski, 10. September 2021

Erst zwei Jahre ununterbrochen auf engstem Raum auf Tour, dann — dank Epidemie ein Jahr eingepfercht in einer hässlichen Mietwohnung auf noch engerem Raum. Ein bisschen wie Big Brother mit Überlänge und dem Unterschied, dass das Ergebnis ein fantastisches Album ist, anstatt rezeptpflichtiger Medikamente.

Die Down-Under-Dogs namens Amyl and The Sniffers kehren mit ihrem neuen Album „Comfort To Me“ zurück in den Ring und halten nicht nur was sie seit ihren ersten EPs versprochen haben, sondern duplieren ihr Versprechen. War das erste Album noch ein brachialer Aufstand gegen das Mundtot-Machen, wirkt das zweite noch adrenalinhaltiger, sehniger, konzentrierter und introspektiv(er), ohne die Intensität des leidenschaftlichen Kampfes verloren zu haben.

Mit ihrer unbändigen Art, in der keine unnötig bremsenden Intermezzos zu finden sind und kleine Atempausen nur dafür erschaffen wurden, um dir danach die Sinne zu zerschlagen, demonstrieren sie rohen Selbstausdruck, trotziger Energie und kompromisslose Verletzlichkeit. Amy Taylor sagt über das Album:

[…] It’s a Mitsubishi Lancer going slightly over the speed limit in a school zone. It’s realising how good it is to wear track pants in bed.  It’s having someone who wants to cook you dinner when you’re really shattered. It’s me shadow-boxing on stage, covered in sweat, instead of sitting quietly in the corner.

Ihre Einflüsse sind dabei umfangreich: Von Old-School Rock’n’Roll über modernen Hardcore bis hin zu den lokalen Helden (Coloured Balls und Cosmic Psychos). Für die Texte ließ sich Frontfrau Taylor hingegen von ihren Rap Idolen und unzähligen Garage Bands inspirieren. Aus 17 aufgenommenen Songs, fanden letztlich 13 ihren Weg auf das Album, das von Nick Launay (Nick Cave, IDLES, Yeah Yeah Yeahs) gemixt und von Bernie Grundman (Michael Jackson, Prince, Dr. Der) gemastert wurde.

VÖ: 10. September 2021 via Rough Trade Records