Text: Matthias Prawinski, 29. Januar 2021

Ein scheinbar unersättlicher Titel für eine momentan Unmut-übersättigte Gesellschaft und wer für wen hierbei als inspirierend galt oder gelten wird ist einerlei; es wird in einer klassischen Win-Win-Situation münden. Dass Couchsurfing nicht immer zwangsweise turbulente Streitereien über Vorstellung vs. Realität heißen muss oder die Gleichstellung mit einem gratis Sex-Portal, legen uns die Baits aus Wien in ihrer Gründungsstory dar.

Über die genannte Plattform lernten sich nämlich Sonja und Miguel kennen, offensichtlich so gut, dass den beiden schnell einleuchtete es mit einem gemeinsamen Musikprojekt zu versuchen, was jedoch nach ersten stotternden und nicht zündenden Versuchen auf Eis gelegt wurde, bis sie 2014 Maurizio (mittlerweile Julian) und Javi dazuholten und die Chose langsam rund zu werden schien (nein, auch wenn es hier wie in einem US-amerikanische Sitcom-Pilotfilm zuzugehen scheint). Seitdem unterhalten sie die sunny-fuzzy-grunge-pop Szene mit allerlei Hookline-behafteten und Stoffwechsel-verändernden Singles und EPs für Menschen, die dem digitalen Hamsterrad eine Zäsur-Furche ins Gesicht schnitzen wollen – auch einige Touren, die, so hört man, mehr als der Eintritt wert sind.

Musikalisch werden die rauen Ecken und Kanten der Band nicht kristallklar zwangspoliert, naja, zumindest nicht auf den Gitarren, sondern unterstrichen und bewusst betont, um einen angerotzten Stil zu erzeugen, was ihnen auch ganz gut gelungen ist; ein Quäntchen zu wenig Rotz für Garagepunk und zu sauber für Lo-Fi Geschichten à la 4-Track-Tascam-Qualität (die es eher selten ins Radio schaffen), sodass sie nach zwei Jahren Arbeit genau da rausgekommen sind, wo sie scheinbar hinwollten – auf ein druckvolles, abwechslungsreiches, gut gemixtes grungiges Fuzz-Pop Album mit einigen cheesy (ganz ohne negative Konnotation!) Passagen und könnte-gut-im-Radio-gespielt-werden Kompabilität. Tempo-schwankend und variierend erinnern sie mitunter an Pixies, das unbekümmerte beachige now-or-never-Feeling dagegen stark an Wavves und die Zerr-Druckerzeugung lässt so manche Gurr (vor 2016) Fans aufhorchen. Auf dem Boden gebliebene, stabile Gitarren-Soli schmücken hier erfolgreich den Weg und gesanglich wird schnell klar, dass Sonjas Stimme bemerkenswert dehnbar ist und von melancholisch bekümmert bis in Richtung Reibeisenstimme à la Brody Dalle reicht. Selbstironie und heraklitische-Erkenntnisse sind, neben ihrer Musik, Attribute, die man ihnen freudig schulterklopfend anerkennt und die sie äußerst sympathisch machen.

Aufgenommen wurde das Ganze im LW Sonics Studio in Wien von Drummer und Produzent Fazo gemeinsam mit Wiltschko und wird physisch auf LP und Digital via Numavi Records rausgehauen. Nebenbei: Nices Artwork, auch von Fazo kreiert: ein versinnbildlichter Burger, dessen (jede einzelne) Schichten mit einer Portion Emotion versehen ist. Doppel Yummy.

08.10.2021 (AT) Innsbruck – PMK
09.10.2021 (AT) Salzburg MARK
15.10.2021 München – Backstage
16.10.2021 (AT) Scharnstein – die Moserei
22.10.2021 Hamburg – Nochtspeicher
23.10.2021 Göttingen – T-Keller
25.10.2021 Karlsruhe – Kohi (Tom)
26.10.2021 Köln – Bumann & Sohn (Ben)
27.10.2021 Berlin – Schokoladen (Erik)
28.10.2021 Leipzig – Tanzcafe Ilses Erika (Chris)
29.10.2021 Wiesbaden – Kreativfabrik (Cornelius)
30.10.2021 Freiburg – Slow Club
31.10.2021 Nürnberg – Z-Bau

VÖ: 29. Januar 2021 via Numavi Records