Von André Habermann, 12. Januar 2021

Bell Orchestre – ein Kollektiv aus Montreal, welches seit nunmehr 18 Jahren eine wunderbare Symbiose aus kammermusikalischen Klängen, Jazz und Electronica kreiert, hat letzte Woche nun endlich ein neues Album angekündigt. „House Music“ nennt sich ihr dritter Longplayer, der – nach den letzten zwei Werken („Recording a Tape the Colour of the Light“, 2005 & „As Seen Through Windows“, 2009) – erstmals über das Premium-Label Erased Tapes veröffentlicht wird.

In den Linernotes zum neuen Album berichtet das Sextett um Sarah Neufeld, Richard Reed Parry, Pietro Amato, Michael Feuerstack, Kaveh Nabatian und Stefan Schneider davon, wie in den kinetisch aufgeladenen Improvisations-Sessions zuvor immer wieder „ein nuanciertes Musikstück ganz organisch entstand, komplett ausgestaltet, aber ganz ohne jeden Plan, ohne Diskussion oder rationale Gedanken“ – um kurz darauf direkt wieder verlorenzugehen, da diese Momente leider nie aufgezeichnet wurden. Auf dem Weg zum neuen Album fassten sie schließlich den Entschluss, gerade das Spontane und Zufällige zu zelebrieren und den Akt der Kollaboration, des gemeinschaftlichen demokratischen Schaffens selbst in den Mittelpunkt des fertigen Werks zu rücken. Inspiriert von improvisationsgeleiteten Wegbereitern wie Talk Talk, The Orb, Miles Davis oder auch dem erst kürzlich verstorbenen Ennio Morricone, knüpfen Bell Orchestre mit House Music an genau diesen Geist an und zelebrieren den Moment: Impulsives, Spontanes, plötzliche Querverbindungen, das mysteriöse Aufkommen und Sich-Entfalten von neuer Musik – in Echtzeit.

Nachdem bereits Ende des letzten Jahres der Kurzfilm „IX: Nature That’s It That’s All.“ angeteasert wurde, präsentiert das kanadische Kollektiv mit „V: Movement“ nun einen ersten Vorboten (inklusive Bewegtbild) aus dem kommenden Werk. Ein schönes Stück Kammermusik, jazzig angehaucht und versetzt mit mantraartigem Gesang. Gefällt! Das erste Zehntel von „House Music“ überzeugt schon mal sehr und macht Lust auf die restlichen neun Streiche.

VÖ: 19. März 2021 via Erased Tapes