Text: Oliver Schröder, 19. März 2021

Party like it’s 2019: Wer schon einmal seinem Lieblings-DJ (Hallo eavo!) beim Wohnzimmerauflegen zugehört hat, kennt vielleicht dieses merkwürdige Gefühl aus gemeinsam erlebter Einsamkeit. Es hört sich an wie immer, aber oft ist man mit der Flasche Rotwein allein. Oder man füllt sich zu zweit ab, schiebt den Tisch zur Seite und simuliert sich seine eigene Disco zusammen. Kann zeitweise klappen, es fehlt aber das Rempeln, Verschütten, Springen, Schreien – alles Dinge, zu denen Blanketmans Songs den Hörer nicht nur auffordern, sondern geradezu nötigen. Da kann der Nachbar auch noch so laut mit dem Besenstiel an die Decke klopfen.

Und dann kommt die Band auch noch aus Manchester, einem Ort, der noch nie so weit entfernt war wie heute. Die herangezogenen Verweise zur Debüt-EP reichen von The Fall bis frühe Blur („Popscene“). Postpunk mit Pop-Appeal ist nun mal seit Dekaden ein garantierter britischer Exportschlager, das läuft immer. Sieben Songs in unter 20 Minuten gehen kaum ohne Tanzen – zumal hier neben aller kodderigen Kantigkeit besonderer Wert auf die Melodien gelegt wird. Der Refrain von „Harold“ ließe sich beispielsweise auch in großen Konzerthallen gut mitgröhlen. Hachja, immerhin lässt sich zu „National Trust“ wunderbar im Wohnzimmer pogen bis das Großbild-TV-Gerät umfällt. Und dann ist es für einen kurzen Moment auch besser, dass sich sonst keiner mehr im Raum befindet.

VÖ: 19. März 2021 via PIAS