Von Alex Schulz, 13. Januar 2021

Oftmals lassen sich in der Kunst interdisziplinäre Gemeinsamkeiten entdecken. Auch dort, wo gewöhnlich gar nicht verglichen wird. Zwischen der Musik und dem Konditorhandwerk bewegt sich etwa der Däne Casper Clausen. Er kreiert seine Musik, wie andere mehrstöckige Hochzeitstorten.

Jeder Song gleicht einer Schichttorte. Clausens Einzelstücke sind so vielschichtig in die Höhe ragend, das Tortenmesser hätte einen langen Schneideweg. Doch der akustische Konditormeister lässt sich auch die Liebe zum Detail nicht nehmen. Unanständig viel Sahne in der Füllung sind ein Tabu. Er dosiert das Milchfett aufs Gramm genau, nimmt dem Klang die Schwere und den Pomp. Verziert und garniert wird immer wieder neu: ob spacig-digital, klassisch mit Flöte oder Percussions, jede Torte hat einen eigenen Geschmack. Der Überzug, mal auftragende Marzipanverkleidung, mal dünner Zuckerguss, ist unverkennbar Clausens Stimme. Sie hüllt sich um die Instrumentals, mal mit rockiger Euphorie, mal mit süßem Falsett. Auf diese Art und Weise serviert Casper Clausens erste Solo-Scheibe „Better Way“ acht Köstlichkeiten dekoriert mit Dance, Disco, Shoegaze, Americana, Indie-Rock und -Pop. Es ist ein Album voller prächtiger Torten – simple Brötchen werden woanders gebacken.

Nicht zuletzt verantwortlich dafür ist die hohe Qualität der Produktion seiner Songs. Pete Kember alias Sonic Boom von den Achtziger-Jahre Psych-Rockern Spacemen 3 gab sich auf „Better Way“ die Ehre. Clausens erster Track „Used To Think“ würdigt die enge Zusammenarbeit mit einem zappelig-treibenden und gleichermaßen optimistischen Dancetitel. Nach dem Einstieg, der ebenso an LCD Soundsystem erinnern dürfte, folgt mit „Feel It Coming“ ein Track, der etwas vom Kanadier Caribou hat. Frickelig verspielt, vergleichbar mit Bon Iver, folgen „Dark Heart“ und „Snow White“. „Falling Apart Like You“ ist ein im Anschluss eher reduzierter Folk-Song, das darauffolgende „Little Words“ wiederum ein sehr bunt ausgeschmücktes Werk. Der unter all der Diversität in sich selbst schon interessanteste Track ist „8 Bit Human“. Beginnend wie alte Ambient-Songs von Aphex Twin entwickelt sich das Stück zu einem euphorischen Popsong. Mit den gegen Ende einsetzenden Drums und Clausens Gesang mündet „8 Bit Human“ obendrein in eine rastlose Americana-Nummer à la Adam Granduciels The War on Drugs. Das abschließende „Ocean Wave“ nimmt zu guter Letzt geschickt das Tempo wieder heraus.

Es bleibt festzuhalten, dass Casper Clausen sich in seinem Solo-Debüt grenzenlos austobt, ohne aber über das Ziel hinauszuschießen und den Zusammenhang zu verlieren. Er betreibt fast durchweg eine Art sophisticated Minimalism, wenn man das als Oxymoron so stehen lassen kann. Um „Better Way“ zu verstehen, ist es hilfreich ein grundlegendes Bild von Clausen zu haben. Der Däne ist ein umtriebiger Musiker und Sympathieträger, mit einem Standing in der Heimat wie hierzulande vielleicht die Mitglieder The Notwist. Erst 2017 erschien die erste Platte seines Band-Nebenprojektes Liima, 2019 die Letzte seiner angestammten Band Efterklang. Die bereits 2000 gegründeten Efterklang spielen ihren Indie-Rock mit Vorliebe auch gemeinsam mit einem Symphonieorchester. Von den Erfahrungen mit großen Arrangements profitiert zweifellos auch das nun erschienene Solo-Album. Ein Album, so raffiniert und kurzweilig wie so manches Stück Torte auf dem Teller.

VÖ: 09. Januar 2021 via Cityslang