Text: Alex Schulz, 23. Juli 2021

Es war das Jahr 2013 als das Jam-Projekt Darkside mit seinem Debüt „Psychic“ die Musikwelt in seinen Bann zog. Einen Bann, der vermutlich auch die resistentesten Dauernörgler unter den Musikpuristen für sich einnehmen konnte. Die Gründe dafür sind so mannigfaltig wie das Erstlingswerk selbst.

Better go back / Rhythm inside / Better go back / Here inside / I told you I would get you […]

Seien es die unwiderstehlichen Lyrics wie aus dem hier zitierten Blues-Funk-Handclap-Banger „Paper Trails“, oder aber die durchweg hohe Produktions- und Masterqualität aller Tracks, die Vielschichtigkeit mit bisher unerhörter Klarheit neu definiert hat. Nicht umsonst ist ein Track wie „Paper Trails“ heute beim Streamingdienst Spotify auf der bezeichnenden Playlist “Songs To Test Headphones With” gelistet. Tanzbare Grooves, die einen trotzdem zuhause in den Sessel zu schieben vermögen – Darkside hatten sich mit dieser Offenbarung von einem Album sowohl unnachahmbar als auch unsterblich gemacht. Die Messlatte für einen Neuling ist erwartungsgemäß hoch – und nun ist es da, dass neue Presswerk von Nicolas Jaar und Dave Harrington. Es hört auf den Namen „Spiral“!

Nach eineinhalb Jahren Produktionszeit und in Summe acht Jahren Warterei für die Fans serviert Darkside in gewohnter Manier seinen eigenwilligen Blend aus feingeistigem Elektronica (Jaar) und innovativem Psycheledic-Rock (Harrington). Unter seinen neun Tracks bietet das Album diesmal keinen epischen Elfminüter als Ouvertüre, wie es 2013 „Golden Arrows“ darstellte. Von noch ausschweifenderer Länge erwartet uns dafür ein, in die zwei Songs „Inside Is Out There“ und „Only Young“, geteiltes Outro, wobei letzterer Track das Album mit einem virtuosem Gitarren-Solo von Dave Harrington nochmals auf die Spitze treibt. Bereits vor diesem würdigen Ende massierten die sieben vorhergehenden Tracks mit eingängiger Percussion permanent den Gehörgang, diesmal fast immer begleitet von Nicolas Jaars transzendenter Singstimme.

Grundsätzlich geht es ein Stück weit eingängiger und damit ruhiger zu als noch auf „Psychic“. Die Songs sind in sich geschlossener aufgebaut und weisen eine Spur weniger instrumentale Überraschungsmomente auf. Das ist überhaupt nichts Schlechtes: gerade durch den größeren Fokus auf das Songwriting und Jaars vordergründigeren Gesang, bietet „Spiral“ auf Anhieb regelrechte Hits. „The Limit“ avanciert schnell zum Lieblingstrack, der lyrische Melodie und altbekannte Verspieltheit perfekt verbindet. „Lawmaker“, der geradlinigste Track des Albums hat seinen Groove insbesondere Jaars Gesang zu verdanken, wird aber auch von stampfenden Beats à la „Paper Trails“ getragen. Die Vorab-Single „Liberty Bell“ hingegen bringt den Psychedelic- bzw. Folk-Rock Einschlag eingebettet in Electronica perfekt zur Geltung.

Dass den Vocals auf „Spiral“ mehr Platz eingeräumt wird, spielt neu bewiesene Stärken des kongenialen Duos von Darkside aus. Verses, Bridges und Hooks stecken die Rahmen einiger Songs neu ab und sorgen für gelungene Abwechslung vom Vorgängeralbum, ohne dessen einzigartigen Stil abzulegen. Messlatte erreicht!

VÖ: 23. Juli 2021 via Matador Records