Von Alex Schulz, 18. Dezember 2020

Tippt man den Bandnamen Dhresen in die Suchmaschine ein wird prompt unterstellt man habe sicherlich „Dresden“ gemeint. In der Konsequenz werden Hotelseiten, Bilder der Elbflorenz oder lokale Corona-News serviert. Gut gemeint, und doch fehl am Platze. So sollte vielmehr die organisch-atmosphärische Instrumentalmusik eines Trios zwischen Köln und Trier ausgespuckt werden. Deren Erstlingswerk „Schleiffen“ beschert nun genau zur rechten Zeit Momente der Einkehr und Reflektion vor der heimischen Wohnzimmeranlage zum Ende eines turbulenten Jahres.

Ist die Netzsuche einmal spezifiziert, lässt sich auch ein Video zu Single und Opening-Track „Alf Fabrik“ finden. In jenem ist herrlich unverfälscht zu beobachten, was die Band mutmaßlich ausmacht: im wunderbar klein-dimensionierten Proberaum spielen hier drei Jugendfreunde teils dichte, teils federleichte Ambientpassagen, die sich zwischen Prog-/Post-Rock, Jazz und Neoklassik bewegen. Sie reduzieren sich auf dem gesamten Album konsequent auf ihre drei angestammten Musikinstrumente. Eine Entscheidung, die mit einem sehr schlüssigen, zusammenhängenden klanglichen Eindruck mehr als gerechtfertigt wird. Armin Wondra spielt zumeist perkussive Drums, um die sich Felix Richards und Sebastian Cuys Melodien von Piano bzw. Synthesizer zu legen vermögen.

Ein Anspieltipp, der die Symbiose der drei Instrumente schön wiedergibt, ist „Kreuz Wittlich“, der dritte von acht Tracks auf dem Album. Mit „Melaten“ folgt darauf ein vorrangig elektronisches Zwischenspiel, abgelöst vom klavierlastigen „Manchester Books“. So wie die Trackorder auf dem Album, sind auch die Stücke selbst interessant aufgebaut. „Maschinenraum“ etwa, klingt wie ein wuchtig schwingendes Triebwerk, geprägt vom wabernden Synthesizer. Und dass, bis der Track auf ein ratterndes Drumpattern zurückfällt, nur um die Motoren gegen Ende wieder voll anzuschmeißen.

Insgesamt fügen sich die Synthies im Album stets vornehm und unaufdringlich ein, ohne zu viel Raum zu beanspruchen. Die richtige Dosierung aller Instrumente steht der Band dabei sehr gut. Denn heraus kommt ein in allen Belangen harmonisches Werk, das dem Zuhörer ebenfalls rücksichtsvoll den Raum gibt, sich auf sich und seine Gedanken besinnen zu können, sofern er es denn will.

VÖ: 12. Dezember 2020 via Dhresen