Text: Oliver Schröder, 02. April 2021

It was all whirlwind, heat, and flash: Kein Album in dieser Zeit, bei dem das Virus nicht irgendwie in den Liner Notes auftaucht. Und sei es nur, weil sich das Veröffentlichungsdatum verschoben hat. Normalerweise touren sich Bands wie Dry Cleaning mit ein paar Songs im Gepäck den Arsch ab, bevor es dann ins Studio geht, um auch den Rest der Welt via Debütalbum zu erobern. Für die aufstrebende Band aus London bedeutete das Virus Anfang 2020 erst einmal die Vollbremsung: Nach zwei vielversprechenden EPs mussten die geplanten Touren abgesagt und der ursprünglich gedachte Weg umgekehrt werden. Sie saßen buchstäblich fest und nutzten die Zeit – wie viele andere – um Songs zu schreiben und aufzunehmen.

So ist „New Long Leg“ das Ergebnis einer rastlosen Band, die versucht, das Beste aus der Zeit zu machen. Eine Notlösung also – allerdings eine, die sich hören lassen kann. Und eine, die mit „Scratchcard Laynard“ sofort auf den Punkt kommt und zeigt, wo sie hin will: in den Krachkunst-Olymp. Der Weg dorthin führt direkt am Coolness-Monolithen vorbei, der vor gut 30 Jahren die 90er-Jahre einläutete: Sonic Youths „Goo“ dient mehr als einmal als Maßstab, den man versucht einzuhalten. Zu Florence Shaws ultracoolem Sprechgesang denkt man sich als Hörer automatisch das Comic-Pärchen vom Cover mitsamt Sonnenbrillen dazu. Shaw plaudert ungezwungen über spitzkantigen Gitarren-Noisepop, der es zu gleichen Teilen schafft, eine rastlose Dringlichkeit und eine entspannte Lässigkeit auszustrahlen. Kein bisschen angestrengt, aber trotzdem kontrolliert, direkt und catchy.

VÖ: 02. April 2021 via 4AD