Text: Sönke Holsten, 17. September 2021

Am Anfang steht die Idee einer Band Namens Fluppe – Der Rest ist Geschichte. Was im Backyard des Hamburger Molotows seine Geburtsstunde hat, dann mit der Billstedt EP ein erstes Ausrufezeichen setzt, mündet nun in dem Debüt „Blüte“ der Gruppe Fluppe. Und was für einem. Denn was das Hamburger Quartett aus der klassischen Rockbesetzung aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang da kreiert ist stark.

Den nimmermüden Vergleich mit der Hamburger Schule, sobald man von deutschsprachigen Bands aus der Hansestadt spricht, schenken wir uns an dieser Stelle. Viel weiter lassen sich die musikalischen Referenzen dieser Band streuen. Die Einflüsse vom getriebenem Post-Punk der Idles, über die feinen Melodiebögen der wunderbaren Weakerthans und den kryptisch-poetsichen Texten mit dem dringlichen Gesang à la Turbostaat fassen Fluppe nun mit „Blüte“ zusammen.

Der Opener „Wiliams Christ Superstar“ wird von einer angezerrten Gitarre eingeleitet, Bass und Schlagzeug treiben den Song voran und münden in einem eingängigen Refrain. Im folgenden „Nikki Swango“, benannt nach der Protagonistin der 3. Staffel der Serie „Fargo“, vertont das Quartett diese lyrische Verneigung mit groovendem Beat und kantigem Riff und bitten damit direkt auf die Tanzfläche. In „Kompjuter“ löst sich die Band kurz vom Post-Punk, lässt dem Sound mehr Fläche und thematisiert die Orientierungslosigkeit der Menschen im Netz, Spoken-Word-Part inklusive.

Diese Gruppe besteht aus Mitgliedern, die immer bereit waren eine Schippe mehr in Bands zu investieren — und das hört man. Fluppe werfen alles rein und der Hörer gewinnt. Dieser eingängige Post-Punk der Hamburger kratzt, knarzt, lullt ein und bleibt. Das nennt man wohl einen Einstand nach Maß. Eindrucksvollstes, deutschsprachiges Debüt seit langem.

17.09.2021 Hamburg – Astrastube
18.09.2021 Husum – Speicher

VÖ: 17. September 2021 via Chateau Lala / La Pochette Surprise