Von Alex Schulz, 07. Dezember 2020

Lässt sich die Musikwelt in zwei Lager aufteilen? Team Studiomagier vs. Team Live-Abreißer? Es wäre selbstredend vermessen hier die Pauschalisierungskeule zu schwingen. Auf dem schmalen Grat zwischen den Linien tänzelt die breite Masse der Musikschaffenden. Sieben Freigeister aus Leipzig tanzen allerdings gerne aus der Reihe.

Flying Moon in Space ist eine der Bands, die live eine wahnsinnige Wucht entfaltet – eine, die ihre kreative Energie beim Auftritt erst so richtig freisetzt – und diese auf das Publikum zu übertragen vermag. Die Leipziger spielen Space Krautrock, wenn man der Improvisationstruppe denn eine Genrebezeichnung überstülpen müsste. Sie leben von Live-Jams, von ausufernden, epischen Längen, die das Bewusstsein von der Erde lösen und in unerreichte Schwerelosigkeit katapultieren. Ihr Stück „Reproductions“ aus 2019 hat beispielsweise ein Ausmaß von fast 27 Minuten! Intensive Konzertabende werden für die Bandmitglieder (vier Gitarren (!), ein Bass, ein Drummer und ein Sänger) zur Essenz ihres Schaffens: Schweiß und neue, übergreifende Harmonien müssen ihnen gleichzeitig aus allen Poren drängen.

Nun bringt eine solche Gruppe nach etlichen Clubkonzerten ein erstes Studioalbum heraus. Wer so eindeutig aus der Abreißer-Ecke stammt, sollte es sehr schwer haben ein stimmiges Abbild seiner musikalischen Identität auf eine Platte pressen zu lassen. Doch dem ist nicht so: Flying Moon In Space gelingt es ihre experimentelle Spielweise von spacig, industrial oder krautig auch in limitierter Länge auf dem selbstbetitelten Album unterzubringen. „Universe“, der Opener besticht zudem mit tanzbarem Funk, der öfter im Album wiederauflebt. Die längsten Tracks, „Faces“ und „Ardor“, ließen sich zu weiten Teilen sogar als Upbeat-Clubnummern bezeichnen. Generell ist in den zehn Songs (unter ihnen zwei Radio Edits) stets viel los: Der Schlagzeuger fliegt über seine Drums, alle vier Gitarren verrichten zeitgleich ihre Arbeit; verzerren oder streuen kurze Noten ein, die Bassline pumpt und die krautigen Vocals hauchen punktgenau noch mehr Leben ein.

Nichtsdestotrotz ist das Studioalbum ein gut gesetzter Fingerabdruck von Flying Moon In Space. Den in Beton getretenen Fußabdruck muss man sich sobald möglich dann auf jeden Fall live abholen.

VÖ: 04. Dezember 2020 via Fuzz Club Records