Text: Matthias Prawinski, 26. Februar 2021

Freund Kern klingt tief, besonnen und lange nicht ab. Ich höre im Hintergrund die Bemerkung „klingt wie ´ne Brotsorte“, naja, nicht weiter beachten, lächerlich, welche Brotsorte bestellt den musikalischen Acker so bedächtig und mannigfaltig wie Freund Kern mit „Ventÿl“?!

Hinter Freund Kern verbirgt sich die Ein-Mann-Band von Dennis Kern, einem Multiinstrumentalisten und Tontechniker — einigen eventuell auch bekannt als Gastmusiker der Beatsteaks.

Auf dieser – auf 80 Exemplare limitierten – 7inch Platte (inklusive Download-Code und DIN A 3 Druck des Covers, gemalt von Tobias Werner vom Pain&Ink Department) setzt Kern schleichend einen düsteren kognitiven Prozess in Gang, der sich im Laufe von Sekunden verselbstständigt, gleich einem seelischen Perpetuum mobile. Hier wird der Rezipient bedächtig vor einem wandelbaren Bild gestellt, welches er vorbehaltlos mit seinem eigenen inneren Schauspiel zu füllen vermag. Mal zierlich, mal mächtig werden hier viele Möglichkeiten ausgeschöpft. Zeit wird jeglicher Bedeutung beraubt und die Abwendung aller stresserzeugenden Faktoren jedweder Art als Voraussetzung festgesetzt, damit auch der Rezipient seine ganzen, hier offenstehenden Möglichkeiten auszuschöpfen versteht.

Sunn O))), Earth und Club Of Gore sind nur wenige von Kerns Einflüssen, die das Echo hier vielleicht erahnend zurückschickt. Venÿl atmet schwer. „Ventÿl“ lastet schwer. „Ventÿl“ ist eine gute Gelegenheit den Fokus auf neue Perspektiven einzustellen, wenn es wieder einmal zu starrsinnig wird. „Ventÿl“ kommt auf tomatenplatten raus, einem Mini-Label aus Berlin und wird unter anderem von Bands wie Easte Ro!s, Die Tunnel, Morgenstern und Einerbande beheimatet.

VÖ: 26. Februar 2021 via tomatenplatten