Text: Matthias Prawinski, 27. November 2020

Wir sehen uns unseres Jahres-Resilienz-Depots beraubt, obwohl das Jahr noch nicht ganz rum ist und blicken ängstlich um uns, in uns, hin- und hergerissen zwischen Resignation (die dann schließlich irgendwann zwangsläufig fatalistische Formen annimmt) und einer Verzweiflung, die aus einer Art Bewältigungslähmung herrührt. Grundeis (aus Hamburg) haben in der scheinbaren Ausweglosigkeit und Verzweiflung ihren Katalysator gefunden, der sich von desolaten Zuständen, Ängsten, Trostlosigkeit, Entmutigung und Sackgassen ernährt, einen impulsiven Nerv freilegt und in eine neue Möglichkeit umwandelt; zwar kein dauerhaftes Mittel, aber immerhin akut und effektiv. Vielleicht ein bisschen so wie bei Bruce Banner. Und das jeden Tag aufs Neue.

Bleach heißt also die Single-Auskopplung (+ Video) ihrer ersten Platte, die dann im nächsten Jahr rauskommt und hoffentlich da weitermacht wo dieses schicke Video hier aufhört. Gedreht wurde das Video in einem alten, verfallenen Bauernhaus. Mit minimal-technischem Aufwand und einer 90er Jahre VHS-Kamera gefilmt, besitzt es jegliche voraussetzende Ausstattung für einen experimentellen Low-Budget Streifen und damit grundsätzlich schon mal viel Charme. Dieses zum größten Teil stark unter der Flimmerfusionsfrequenz liegende Video (und somit vielleicht nicht die wohltätigste Empfehlung für Epileptiker) strahlt sowohl eine verstörende, als auch eine stark kinetische Energie aus, wobei die zuckend-makabere, schwermütige Atmosphäre den dichten, kalten Brodem einer Gothic/Industrial Party hat. Ominös-anziehend und sympathisch-abstoßend zugleich.

Alles in allem eine mehr als gelungene Grave-Wave-Dark-Post-Punk Single aus mehrschichtigen Gitarren, Modulationseffekten, die dem Ganzen einen reichen und breiten Klang geben, ein hypnotischer Gesang- emotional zerrissen, aber doch klar und triebhaft-impulsive Drums. Grundeis. Eine Band, die sich gewissermaßen auf Schwarz-Weiß Bildern mehr zuhause fühlt.

VÖ: 27. November 2020 via Grundeis