Text: Christoph Walter, 01. März 2021

Zu den vielversprechendsten Songwriterinnen ihrer Generation gehörten Julien Baker, Phoebe Bridgers und Lucy Dacus zwar schon vorher, aber nach der hervorragenden EP ihrer gemeinsamen Band boygenius im Herbst 2018 gab es kein Halten mehr. Zuerst legte Phoebe Bridgers mit Better Oblivion Community Center, ihrer Zusammenarbeit mit Conor Oberst, und im letzten Sommer mit dem Soloalbum „Punisher“ doppelt großartig vor, nun zieht Julien Baker nicht minder großartig nach.

Anders als auf ihren beiden eher minimalistisch gehaltenen ersten LPs operiert die 25-Jährige auf „Little Oblivions“ mit dem großen Besteck. Fast jeder Song ein veritabler Indie-Hit im Breitwandformat inklusive viel Hall, Ohrwurm-Refrain (allein die Zeile „I’m stuck inside a vision that repeats, repeats, repeats, repeats“ dürfte man tagelang nicht mehr aus dem Kopf bekommen) und wehmütigem Neunzigerjahre-Flair, wie es zuletzt auch Phoebe Bridgers so gut hinbekommen hat. Natürlich ist das alles ausgefuchst genug, um zu keinem Zeitpunkt in Richtung Stadionrock, Beliebigkeit oder gar Kitsch zu kippen.

Aber um noch einmal auf boygenius zurückzukommen: In „Favor“, das wie „Blizzard of ’77“ von Nada Surf beginnt und überhaupt einer der besten Songs auf „Little Oblivions“ ist, sind auch Lucy Dacus und Phoebe Bridgers mit von der Partie. Fragt sich eigentlich nur, wann jetzt auch noch ein neues Super-Soloalbum von Lucy Dacus erscheint.

VÖ: 26. Februar 2021 via Matador Records