Text: Stefan Killer, 11. Juni 2021

Normalerweise stehen in einer Musikpromo Phrasen wie „Die Band gibt sich experimentierfreudig“ oder „die beste Platte der bisherigen Bandgeschichte“. Im Fall des gefühlt 50. Albums von King Gizzard & the Lizard Wizard sind sie überflüssig, denn: alles schon gesagt, alles getan. Vermutlich steht diesmal im Text auch deshalb schlicht: „Hi! Here’s Butterfly 3000. Enjoy!“ Und irgendwie trifft es das.

Denn was den geübten Hörerinnen und Hörern – oder auch den ungeübten – der australischen Musik-Tausendsassas sofort auffallen dürfte, ist die Unbeschwertheit der neuen Songs. „Enjoy“, also genießen, ist das Stichwort der Stunde, genauer der anderthalb Stunden. So lange dauern die elf Stücke auf „Butterfly 3000“. Doch nicht wundern: Der Rausschmeißer nennt sich „Butterfly 3000 Full Album“, und genau das ist er. Der Titel macht so nach Adam Riese die Hälfte der Zeit aus, also knapp eine Dreiviertelstunde. King Gizzard & the Lizard Wizard bieten mit „Butterfly 3000“ knapp 45 Minuten neue Musik.

Mottoparty gefällig?

Doch Schluss mit Rechnen: Was kann „Butterfly 3000“ musikalisch? Los geht’s mit „Yours“, „Shanghai“ und „Dreams“. Von fernöstlich anmutenden Synth-Arpeggios über Hip-Hop-Beats bis Surfpop ist da im ersten Gute-Laune-Dreiklang alles bei. Mit „Blue Morpho“ kommt dann eine kleine Zäsur – aber nur in Sachen Stimmung. Der Song bedient sich derselben Arrangements wie bisher und wirkt dennoch komplett anders. Liegt wohl auch an seinem molligen Timbre. „Interior“ und „Catching Smoke“ schaffen es, die Achtzigerjahre in unbehagliches Wohlgefallen zu übersetzen. Einerseits nervt das subversive Lehnen an Manga- und andere Film-Soundtracks, andererseits bildet dieser rote Faden das Alleinstellungsmerkmal von „Butterfly 3000“, eine Art Hassliebe.

Was nach den restlichen Arpeggios und Sgt-Pepper-Nachfolgern hängenbleibt, ist eine Mottoparty, deren Feierlaune ausbleibt. Nicht falsch verstehen: „Butterfly 3000“ ist eine Zierde seiner Form. Popalben, die sich – ähnlich wie in einigen Werken klassischer Musik – einem Motiv unterordnen, gibt es abseits der paar Handvoll Progbands, denen das gelingt, nur sehr wenige. Das Motto des großäugig karikierten Synth-Hippies ist dennoch spätestens ab dem zweiten Drittel des Albums zu anstrengend für die allgemein gefällige 0815-Sause.

Da King Gizzard & the Lizard Wizard es vermag, mit „Butterfly 3000“ mehr Pop denn Klassik zu liefern, ist das Album unterm Strich der perfekte Soundtrack für den Wiedereintanz ins durchgeimpfte Nerdleben. Natürlich mit knallrosa ovalen Gläsern auf der Nase und White Russian in der Hand. Enjoy!

VÖ: 11. Juni 2021 via KGLW