Von Christian Selzer, 10. Dezember 2020

Bananenbrotbacken und Youtube-Yoga waren schon im ersten Lockdown nur etwas für Corona-Streber. Wie man den verordneten Stillstand während der Pandemie mit Würde übersteht, zeigt die Klangkünstlerin Rachel Palmer. Auf ihrem neuen Album „Antecedent” erhebt die Wahl-Kölnerin Cocooning zum Konzept und erschafft eine Art Intim-Electro, der wie Impfstoff für den Überlebensmodus in den Gehörgang tröpfelt.

Feingliedrig und warm klingen die Sounds und verströmen eine organische Ruhe. Sie schichten sich auf zu flüchtigen Skulpturen, die als Trittbretter zu fremden Klangwelten dienen. Hin und wieder zappeln Beats in diesem Netz ausgedehnter Klangflächen, jedoch so zurückhaltend und fragil, dass sie den Schwebezustand der Songs noch unterstreichen. So ist „Antecedent” ein unaufdringliches Album voller melancholischer Zwischentöne, das den Rückzug im langen Corona-Winter erträglicher macht – und zu dem es sich hervorragend auf Socken durch die Wohnung schlurfen lässt.

VÖ: 27. November 2020 via Modularfield