Text: Stefan Killer, 11. Oktober 2021

Wie viele Gruppen mögen auch die Musiker von Shy, Low keine Schubladen und Vergleiche. Dennoch fallen ungeniert Worte wie „Postrock“ oder „Mogwai“ in Eigenbeschreibungen. Mit „Snake Behind the Sun“, der Instrumentalplatte Nummer fünf, will sich das Quartett von alten Mustern lösen.

Und das trifft tatsächlich auf mehreren Ebenen zu. Da wäre einerseits der Labelwechsel von Spartan Records zu Pelagic Records, andererseits hat sich Shy, Low im Zuge der Produktion vergrößert. Dylan Partridge war ursprünglich als Auftragsschlagzeuger für „Snake Behind the Sun“ engagiert und avancierte während der Studioarbeit zum festen Mitglied der Band. Zum Glück, denn seine Takes könnten die Band kaum tighter voranbringen. Das Schlagzeug spielt generell eine wichtige Rolle in der sonst eher kosmetischen Metamorphose von Shy, Low.

Das nächste Postrock-Level

Die Gruppe hat zwar ihre melancholische, postrockig pathetische Linie um progressivere wie härtere Riffs und Fills erweitert, der Schmetterlingsflug bleibt aber aus. Während des ersten Hörens entpuppt sich das Album gerade in kritischen Ohren doch wieder als altbekannter Balanceakt zwischen cleanen Melodien und halldurchseuchten Blastbeat-Passagen. Die stilistische Erweiterung dürfte da kaum ins Gewicht fallen. Wer sich an instrumentalem Rock erfreuen kann, spielt jetzt besser die Grower-Karte, denn die trumpft bei Shy, Low erstmals mit Produzent Mike Watts’ Hilfe an den Reglern.

Mit ihm und technischen Hilfsmitteln, die die Band zum Zeitpunkt der ersten Gehversuche mit Produzent noch nie zur Hand hatte, verbarrikadierte sie sich in den Vudu Studios. Kurz vor dem ersten Lockdown im US-Bundesstaat New York, wo die Studios angesiedelt sind. Mike Watts’ Studioerfahrung hebt atmosphärische Teile wie in „The Beacon“ aufs nächste Postrock-Level. Gitarrist Zak Bryant meint zu den Aufnahmen mit Mike Watts:

Nachdem wir seine Arbeit mit Bands wie O’Brother, Lume, Glassjaw und anderen gehört hatten, waren wir sehr angetan von den Drumsounds, die er hinbekam, und von seinem Gespür für die Gesamtbalance des Mixes und der Produktion.

Das Stück, das auf „Snake Behind the Sun“ am meisten heraussticht, ist zweifellos „Umbra“. Ehe dieser düstere Neunminüter in Progmetal-Staccatos und pfeifenden Rückkopplungen endet, bläst Gastmusiker Rob Pietrzak zum frühzeitigen Höhepunkt der Platte. Mehr von diesen studiobeflügelten Ausbrüchen und schon gehören Genreschubladen und Vergleiche mit anderen Bands der Vergangenheit an.

VÖ: 08. Oktober 2021 via Pelagic Records