Text: Lennard Göttner, 08. Februar 2022

Mit gerade einmal 33 Jahren erlitt Kevin Pearce einen Herzinfarkt – auf dem Golfplatz. Rückblickend betrachtet war dieses Ereignis vermutlich eine Art Weckruf für den aus Colchester stammenden Singer-Songwriter. Nicht nur seine Lebensgewohnheiten musste der Brite grundlegend verändern; die Rehabilitation bedeutete zudem den Beginn des Projekts Sun Cutter. Denn Pearce wurde sich immer mehr darüber klar, wie endlich das Leben sein kann. Seine Zeit wollte er angesichts der erschreckenden zurückliegenden Erfahrung fortan nicht länger mit negativen Dingen verschwenden.

Heute, vier Jahre nach seinem Herzinfarkt, präsentiert uns Pearce unter seinem Künstlernamen Sun Cutter das Resultat seines Vorhabens. Entstanden ist sein gleichnamiges, lebensbejahendes und hoch interessantes Debüt-Album. Von Folk über Indie und Soul bis hin zu Pop-Balladen: Auf dem Papier vereint der Longplayer wahrlich eine Vielzahl und fast unorganisch wirkende Kombination an Genres und Strömungen. Doch die Wahrheit lautet, dass das wilde Allerlei durchaus begeistert und uns Hörer:innen in dieser Winter-Träge einen befreienden Sonnenstrahl spendet.

Mit harmoniegetränkten und balladigen Melodien schickt uns Pearce im Einstieg „What Can I Do?“ auf die abenteuerliche Reise. Mit „Daylight Star“ und „Hold Out“ folgen treibende Indie-Rock-Stücke. Für die volle musikalische Bandbreite sorgen dann das folkige „Trick“ sowie das Psych-Stück „Superstars“. Im Grunde würde es nicht groß verwundern, wenn Pearce innerhalb seines Werkes auch noch Auftritte von Dizzee Rascal oder AJ Tracey untergebracht hätte.

Der Brite selbst bringt die Essenz seines grenzenlos anmutenden Klanggefüges wohl am besten auf den Punkt: „Es ist schwer, heutzutage etwas Originelles zu machen, aber was du tun kannst, ist, etwas zu deinem zu machen“, so Pearce im kürzlich erschienenen Interview mit Radio Eins. Und genau das gelingt dem Werk. Pearce bricht in gewisser Weise mit Musik-Konventionen – und das höchst elegant.

VÖ: 04. Februar 2022 via Bronze Rat Records