Text: Stefan Killer, 29. September 2021

Elf Alben sind eine Hausnummer. Und im Fall von Wang Wen erst recht, ist sie doch mit ihren instrumentalen Experimenten so weit weg von massentauglicher Musik, wie eine Band es nur sein kann. Mit Nummer 11, „100,000 Whys“, schlägt sie dann aber doch einen teils zugänglicheren Weg ein.

Die acht Stücke hängen lose zusammen, was sich in erster Linie im Grundklang der Platte manifestiert: Ein astrein arrangiertes Gitarrenkollektiv trifft auf heterogene Mische, digitale Klänge schmiegen sich an analoge. Wenn Postrock so krautig klingt, als wäre er mit der Hand Jackson Pollocks gemalt, wandert Wang Wen zwischen Schönheit und künstlerischem Anspruch. Läge über „The Ghost“ ein mehrstimmig hauchender Chor, das Stück könnte im Zuge des Progrock der 1970er-Jahre entstanden sein.

Spiel mit Erwartungen

„Beach Bum“ spiegelt nach Labelangaben wider, wofür Wang Wen bekannt geworden ist –– einen Sound, der ausufernder Katharsis gleicht. Im anschließenden „Lonely Bird“ greift die Band die gleiche Melodie auf und interpretiert sie als gediegenes Stück, das an Slow Blues erinnert, nur eben ohne den Blues.

Und diese Art, Musik zu machen, beschreibt „100,000 Whys“ sehr gut. Das Album ist ein Spiel mit Erwartungshaltungen. Mal könnte die Auflösung einer Figur nicht eindeutiger sein, mal sehnt sich die Melodie vergebens nach einem passenden Finale. Das Gefühl, das am Ende, nach einem recht heroisch kitschigen Albumende („Forgotten River“) bleibt, ist aber ein bekannt wohliges. „100,000 Whys“ ist ein Album für all jene, die in Musik mehr suchen als Freude oder Traurigkeit, Dur oder Moll.

VÖ: 24. September 2021 via Pelagic Records