Text: Stefan Killer, 27. Januar 2021

Die Tage sind dunkel, Corona hat die Welt immer noch fest im Griff. Was tun gegen den exponentiell wachsenden Winterblues? Na klar, ihn beim Namen nennen und wie Yard Act in weirder Postpunk-Manier besingen: Single und EP heißen „Dark Days“ und sind eben erschienen.

Yard Act, das waren zunächst Bassist Ryan Needham und dessen Sängerfreund James Smith. Spätestens seit den Eintritten des Gitarristen Sammy Robinson und George Townends am Schlagzeug treibt und lamentiert die Band aus Leeds mehr denn je in Richtung nerdiger Tanzklubs – zumindest bildlich. Zum Stück „Dark Days“ erklärt James Smith:

Es erzeugte diese Illusion, man hätte Zeit, innezuhalten und sich inmitten des aufkommenden Chaos umzusehen. […] Dann setzt der Refrain mit diesem ‚Captain Caveman‘-Gefühl ein und erinnert mich an diesen Stop-Motion-Cartoon aus den Neunzigern, „Gogs“ – falls sich jemand daran erinnert. Das Konzept der Devolution fühlt sich von Tag zu Tag gültiger an. Die Idee, in die ‚dunklen Tage’ der Cartoon-Höhlenmenschen-Musik zurückzugehen, fand zumindest ich lustig.

Farbige Upper

Die vier Stück für Stück veröffentlichten Singles der „Dark Days“-EP klingen genauso seltsam, wie sich Mr Smith’ Erklärung liest. Seltsam, aber gut. Die Gitarre kommt größtenteils ohne Powerchords aus, tönt mal funky, mal effektgeladen atmosphärisch. Und immer irgendwie anders als gewohnt. George Townends Beats und Ryan Needhams Basslinien treiben so stoisch, als fänden sie nie ein Ende.

Inhaltlich geht’s britisch unhöflich zu, alltäglich und bei Zeiten so verwirrt, dass einem die drogengetrieben poetischen Anfänge Anthony Kiedis’ in den Sinn kommen. Doch Yard Act sind bei Sinn und Verstand, wissen genau, was sie tun. Die vier Männer machen Postpunk am Rande des Postpunks und knallen der Szene ein paar farbige Upper vor den downen Latz. Zum Glück bekommt das Sortiment schon bald Verstärkung in Form des Debütalbums. Unga Bunga!

05.02.2022 Hamburg – Molotow
09.02.2022 Berlin – Badehaus
10.02.2022 Köln – Blue Shell

VÖ: 22. Januar 2021 via Zen F.C. / Memphis Industries