Von Nico Beinke, 22. November 2019

Das Cello ist so ein immens ausdrucksstarkes Instrument – unersetzlich für Filmmusiken – nur im pophistorischen Kontext, als Hauptinstrument, sträflich unterrepräsentiert. Außer vielleicht bei Arthur Russell, der auf seine Weise ebenso der Avantgarde zugehörig, aber eher in Richtung Jazz und Dance unterwegs war. „Heliopause“ von Anne Müller ist im Vergleich zu Russell pure Klassik, die darauf ausgelegt scheint, durch seine Wiederholungen Stimmungen aufzubauen und zu manifestieren. Die Basis bilden hierfür repetitive Tonfolgen, die zu einer Art Wall of Sound aufgebaut werden, ohne große Ausflüge oder Kadenzen. Umso bemerkenswerter, da die Tatsache nicht unbeachtet bleiben darf, dass Anne Müller jede Note selbst eingespielt und komponiert hat.

Nach über 60 Veröffentlichungen (unter anderem an der Seite von Agnes Obel oder Nils Frahm), scheint der Schritt, „Heliopause“ als offizielles Debüt zu veröffentlichen, reiflich überlegt und geradezu überfällig. Das Cello als Soloinstrument ist durchaus prädestiniert um ein ganzes Kaleidoskop an Emotionen abzubilden und zu vermitteln. Auf Albumlänge ist es vor allem die Sehnsucht, die hervorsticht, dieses „Sich nach etwas, oder jemanden, verzehren“, dieses Gefühl, dass das „Alles“ noch viel zu wenig sein könnte. Der Antrieb, der die Menschheit das All erkunden lässt beispielsweise. „Heliopause“ ist sicher keine „Gebrauchs-Musik“ zur Hintergrundbeschallung geworden, sondern tiefempfundene Kunst, nichts anderes.

11.01.2020 Berlin – Roter Salon der Volksbühne
14.02.2020 Hamburg – Nachtasyl
15.02.2020 Hannover – Feinkostlampe

VÖ: 22. November 2019 via Erased Tapes