Von Christoph Walter, 20. Februar 2020

Allein das Cover von Douglas Dares „Milkteeth“, das den Briten als griechische Muse vor einem sehr improvisiert wirkenden Hintergrund zeigt, weckt Erinnerungen an (momentan noch) bekanntere Kollegen wie Owen Pallett alias Final Fantasy oder Patrick Wolf. Auch musikalisch ist der Songschreiber und Pianist, der während der Arbeit an seiner LP außerdem die Liebe zur Autoharp, einem der Zither nicht unähnlichen Instrument, entdeckt hat, in ähnlichen Gefilden unterwegs wie die beiden Genannten. Phantasie, Spielfreude und einen gewissen Hang zur Melodramatik verpackt Douglas Dare, aufgewachsen als jüngster Spross einer Großfamilie auf einem Bauernhof bei Dorset, allerdings in deutlich ruhigere und minimalistischere Songs. Ein Konzept, das bestens aufgeht, denn „Milkteeth“ überzeugt auch ohne großen Bombast auf voller Linie.

Schon der Auftakt „I Am Free“, dominiert von Piano und der einnehmenden Stimme Douglas Dares, kommt ohne allzu großen Aufwand aus, packt einen aber mit dem mehrlagig geloopten Gesang schon beim ersten Hören. Andere Songs erinnern mal an Abzählreime für Kinder („Red Arrows“) oder sind geschult an der britischen Folk-Tradition („Heavenly Bodies“), während die beiden herausragenden, vorab veröffentlichten Singles „Silly Games“ und „The Joy In Sarah’s Eyes“ großartiger Pop jenseits des Mainstreams sind.

Abgesehen davon, dass „Milkteeth“ von Anfang bis Ende ein beachtlich hohes Niveau hält, erzählt die autobiographisch geprägte Platte auch die Geschichte eines Außenseiters, der seinen Platz in der Welt erst suchen musste:

Ich hatte nie das Gefühl, wirklich reinzupassen. Ich war einfach anders, ein Sonderling. Ich wollte nun mal tanzen und singen und mich verkleiden – womit man auf so einem kleinen Bauernhof in der Gegend um Dorset echt auffällt.

„Sonderling“ war einmal – dieser außergewöhnlich talentierte junge Künstler ist eine große Bereicherung.

10.03.2021 Hamburg – Nachtasyl
13.03.2021 Berlin – Silent Green
17.03.2021 Leipzig – UT Connewitz
18.03.2021 Nürnberg – Cluster
19.03.2021 München – Milla

VÖ: 21. Februar 2020 via Erased Tapes