Von Nico Beinke, 06. März 2020

Eine Frage, die den Redakteur eines Indie-Magazins häufiger einmal beschäftigt: Wie verhalte ich mich gegenüber Musik, die den Eindruck erweckt, nicht nur auf ein Indie-Publikum abzuzielen? Per se kacke finden? Meistens finde ich sie erst einmal recht spannend, um dann ganz wie von selbst irgendwann gänzlich das Interesse zu verlieren.

Ein gutes Beispiel ist das Geschwisterpaar Milner vom Hamburger Electro-Duo Hundreds. Als Fan der ersten Stunde konnte ich Album-Releases kaum erwarten, freute ich mich auf die Konzerte etc. (Kennt ja jeder Musik-Begeisterte, denke ich mal.) Wie von selbst verschwand das Interesse irgendwann, und als ich irgendwann feststellte, dass Hundreds es mittlerweile in die deutschen Charts schaffen, war ich gar nicht groß überrascht, irritiert, oder sonst etwas. Ich nahm es zur Kenntnis. Der Punkt ist nur: Das Chart-Potential war von der ersten Stunde ihres Schaffens vorhanden.

Auch auf der musikalischen Ebene eint Hundreds und das Kopenhagener Duo von Fluqx Etliches: Entschleunigung zugunsten einer aufgeräumten, gleichwohl andächtigen Stimmung, die spartanisch gesetzten Beats und vor allem der Mut, dem Mainstream schon allein durch eben jene „Langsamkeit“ des Vortrags, ein Schnippchen zu schlagen. Während sich Eva Milner allerdings in den eher tieferen Tonlagen gesanglich zuhause fühlt, bestreitet Brian Della Valle die kompletten zwölf Tracks während „Monolith“ im Falsett, was eine gewisse Nähe zu Bon Iver nahelegt. Nur den grässlichen Vocoder/Autotune-Effekt, bspw. während des eigentlich saustarken „Staring At The Sun“, braucht kein Schwein. Wenn jemand offensichtlich perfekt Kopfstimme singen kann, wie es bei Brian Della Valle der Fall zu sein scheint, ist eine Anbiederung an den massenkompatiblen Musik-Zeitgeist eher unnötig. Zumal Autotune ganz offensichtlich eher was für Interpreten ist, die nicht singen können – behaupte ich jetzt mal. Damit wäre das Haar in der Suppe jetzt erwähnt, nun folgt die abschließende Lobhudelei.

Brian Della Valle und Joel Krozer gelingt mit „Monolith“ der gekonnte Spagat zwischen den Welten – Indie und potentiellem Mainstream. Anhänger der jeweiligen Seite der Medaille werden mit Sicherheit nicht unbedingt ausflippen vor Freude über Fluqx, aber sicherlich deren Mut zum Konsens goutieren. In Zeiten des gemeinsamen Feindes (der Autotune-Fraktion z. B.) muss man auch schon einmal Kompromisse eingehen, wie uns unter anderem die Bildung des thüringischen Landtages gezeigt hat. Um nicht zu vergessen: „Monolith“ ist ganz klar, über die volle Distanz betrachtet, ein herausragendes Electro-Pop-Album geworden!

VÖ: 06. März 2020 via hfn music