Von Connor Endt, 24. Oktober 2019

Boris Johnson, Klassenunterschiede, Brexit und dazu auch noch ständig mieses Wetter: kein Wunder, dass im Vereinigten Königreich in den letzten Jahren Bands wie Pilze aus dem Boden schießen, die ihren Unmut laut ins Mikro schnoddern. Grey Hairs sind auch eine solche Band und mit „Health & Social Care“ haben sie ein wunderbar ranziges Punk-Album aufgenommen.

Das Ergebnis kann sich hören lassen: verzerrte Riffs treffen auf scheppernde Drums und angezerrte Vocals die so klingen, als wenn bei den Aufnahmen fast das Mikro zerlegt wurde. Hardcore meets Punk meets Garage Rock. Referenzen wie Fidlar, Idles, Shame oder den Lofi-Sound eines Ty Segall fallen einem beim Hören ein. Auf jeden Fall eine Kombination, die live absolut zünden wird. Teilweise kann man auch noch Anleihen des glorreichen Indie-Rocks der 2000er erkennen, aber eins ist klar: die Zeit von Telecaster-Gitarren und Bubischnitt sind vorbei.

Stattdessen schreien Grey Hairs an, gegen alles, das falsch läuft in ihrer Heimat Nottingham. Dabei sind sie sich aber auch schmerzlich bewusst, dass sie selbst Teil dieses Systems sind. Was also machen, wenn man selbst im Hamsterrad zwischen Arbeiten, schlafen und wieder zur Arbeit gehen gefangen ist? Grey Hairs zelebrieren diese Widersprüche und verpacken sie in Songs voller allgemeiner Angepisstheit über die gesellschaftliche Lage und die eigenen persönlichen Probleme.

VÖ: 25. Oktober 2019 via Gringo Records