Von Jan Sturm, 24. April 2020

Vor Ewigkeiten, in einer anderen Welt, einer Früheren, wurde Hans Unsterns Album angekündigt. Jahrelang wurden in Werkstätten Harfen gebaut, der Schwindel war aufgeflogen, die Parties gefeiert, das singende klingende Bäumchen-wechsel-dich Spiel war perfektioniert und eine Single zum Album mit Haaren zu Gold schon vor zwölf Monaten gesponnen. Nun endlich schmettert uns das Authentizitäts-Chamäleon mit rauschendem Bart und flatterndem Kleid sein Liedgut entgegen und legt uns hier das dritte Album „Diven“ in den Schoß.

Der Kratz Dich Raus Surrealismus von damals ist im heute angekommen und irritiert kaum noch. Zumindest fehlt das Überraschungsmoment. Dennoch, den Hörern verlangt Hans Unstern wieder Einiges ab. Lyrische Wortgewitter zünden ihre unendliche Metaphorik und surreale Satzgebilde kippen über uns. Wir lassen uns drauf ein. Das ist so wichtig, so entscheidend. Es prasselt über uns, durch uns. Doch wir denken nicht. Bis das es kribbelt. Wir spüren mehr und mehr, dass es kein Traum ist. Die Harfen entpuppen sich als breit gefächertes Instrumentarium. Mal laut, dann leise, mechanisch angespielt spröde und gleich wieder menschlich verweichlicht. Unstern klatscht Hauschka High-Five, die Mechanik ächzt und klappert und da ist es dann wieder; dieses Gefühl … Vielsaitigkeiten umspielen jegliches gesprochene, gesungene Chaos. Sie romantisieren uns.

„Diven“ läuft zur musikalischen Höchstform auf, wenn wild mit Rasierklingen ins Bett gesprungen wird oder uns Bonbons aus Herzschlag das Fühlen lernen! Hans Unstern, sing uns, sing uns noch einmal!

VÖ: 24. April 2020 via Staatsakt