Von Stefan Killer, 01. Juni 2020

In bester Industrial-Manier bricht „Push“ mit pumpendem Metall und hallenden Schlägen über die Hörerschaft herein. Auch der Rest der neuen HEADS. klingt nicht gerade harmonisch. Ob’s am Flair des ehemaligen Fabrikgebäudes liegt, in dem die Platte aufgenommen wurde?

Der zweite LP-Streich des deutsch-australischen Trios ist im Blue Wall Studio zu Berlin entstanden, wo zum Zeitpunkt der Aufnahmen alle drei Bandmitglieder lebten. Mit Studiobetreiber Christoph Bartelt, seines Zeichens Schlagzeuger des städtischen Aushängeschilds Kadavar, und hiesigen Gastmusikern wie Kristof Hahn (Swans) entpuppte sich so ein Album, das von vertrauten Gegebenheiten, aber auch Veränderungen lebt.

„Wir tingelten über mehrere Wochen jeden Morgen quer durch Ost-Berlin, vorbei an den Fabriken, stiegen die alten schmutzigen Betontreppen hinauf, durch eine schwere Stahltür in eine holzgetäfelte Oase eines Studios, in dem wir täglich an ‚Push‘ werkelten“, beschreibt HEADS. die Aufnahmen. Mix und Master übernahm übrigens erneut Magnus Lindberg (Cult of Luna) in Stockholm. Die Geschichten auf „Push“ konnten so organisch wachsen und doch ihren Fokus bewahren.

Neuer Anstrich für Berlins Szene

Und der ist tief verankert in den verzerrten Bildern Ed Frasers. Mit tiefer Erzählstimme und Gitarre schafft er eine so bedrückende Atmosphäre, dass Chris Breuer am Bass kaum Mühe hat, den Rest an Behaglichkeit bis in die Festen zu erschüttern. Dann und wann funkeln angenehme Gitarrenlinien durchs Dunkel des staubtrockenen Lagerhauskrachs („Paradise“), doch grundsätzlich gibt es auf „Push“ nicht viel Platz für friedvolle Momente.

Es ist ein Album, das so markerschütternd und kompromisslos schließt („As Your Street Gets Deserted“), wie es im Intro („Empty Towns“) beginnt. Mit knüppelnden Postpunk-Songs wie „Nobody Moves and Everybody Talks“ knüpft die Band klangtechnisch an ihr ungestümes Debüt an, auf anderen wie „Rusty Sling“ lässt sie sich mehr Zeit, um ein neues Terrain zu betreten, das an Postrock erinnert.

Mit „Push“ hat HEADS. ein Album geschaffen, das dem angegrauten Rock Berlins den Anstrich gibt, den die Stadt längst braucht. Und dank der vielen lokalen Einflüsse ist der näher am Puls denn je.

VÖ: 29. Mai 2020 via Glitterhouse