Von Stefan Killer, 25. Februar 2020

Dass Brighton seit einigen Jahren eine Rock-Perle nach der anderen hervorbringt, dürfte mittlerweile bekannt sein. InTechnicolour ist eines der jüngsten wie härtesten Vorzeigebeispiele des Städtchens etwa 60 Zugminuten von London – und „Big Sleeper“ ein Debütalbum, das nicht nur in der dort hiesigen Szene für Aufsehen sorgen dürfte.

Druckvoll und grob wie die großen Grunge-Röhren setzt Sänger Tobie Anderson gleich zu Beginn in „Miami Funk“ ein Ausrufezeichen. Die zerrenden Gitarren stehen ihm dahingehend in nichts nach. Wie „Shaker“ und „Doomer“ lässt sich der Track hervorragend als Stoner-Hit mit vokalen Popanleihen einordnen. Die Repeat-Taste ist kaum vermeidbar.

„Big Sleeper“, „Gallonman“ und „Lend Me a Crushed Ear“ stellen hingegen die düstere Seite des Albums dar. Langsam, tief, unaufhaltsam walzen Grooves und schlagkräftige Single-Note-Linien unter dem harmonischen Gesang Tobie Andersons. Nicht selten verleiht er ihnen eine ungeahnte Richtung. Das und die Tatsache, dass InTechnicolour sich eher an den Strukturen des Alternative-Metal orientiert als an der langsam ausgelutschten Retro-Welle, macht die Musik von InTechnicolour so spannend.

Auf ihrem Debütalbum variiert die Band vom kurzweiligen Kopfnickermonster („Under the Sun“) bis zum zehnminütigen Post-Rock-Epos („Tortoise“). Und trotzdem wirkt „Big Sleeper“ wie aus einem Guss. Damit ist den vier Musikern nicht nur eine solide Grundlage für einen vielversprechenden Werdegang in der Heimat gelungen, sondern ein frischer Dreh für die internationale Stoner-Rock-Szene. Harte Riffs, düster schöne Atmosphäre und Neunzigerjahre-Popkultur harmonieren – zumindest in Brighton – unglaublich gut.

VÖ: 21. Februar 2020 via Big Scary Monsters