Von Nico Beinke, 07. April 2020

In einigen Monaten, wenn die ersten, unter dem Eindruck der Corona-Epidemie entstandenen Musikalben auf den Markt kommen, dann klingen diese vielleicht so ähnlich wie „My Heart Is Hungry And The Days Go By So Quickly“ von Jacob Bellens. Ganz sicher ist das typische Radio/Gute Laune-Geplärre demnächst nicht mehr zeitgemäß. Gebraucht wird mehr Besinnlichkeit und melancholischer Pop, der zwar nicht auf die Tränendrüse drückt – aber der Situation angemessen scheint.

It‘s a fever dream description of hope (…) where peace of mind, love and a slightly more stable, normal way of life is not yet an option

So Jacob Bellens über den Opener („Enterprise“) seines fünften Langspielers. Dass dies ebenfalls wie eine Bestandsaufnahme der jetzigen Krise klingt, ist natürlich Zufall und beschreibt vielmehr die emotionale Verunsicherung des jungen Künstlers; die ganz normale Unplanbarkeit des Lebens an sich. „Enterprise“ ist dabei ganz bestimmt ein wunderbares Beispiel für die Art melancholischen Pop, die ich zuvorderst meinte. Bellens Gesang erinnert eh schon stark an Elvis Costello und sein Songwriting an die 80er Jahre-Großtaten wie „King of America“ und „Spike“. Costellos Hang zur Operettenhaftigkeit lässt der Däne dabei aus, um sich gelegentlich mit Flamenco-Gitarren selbst ein Bein zu stellen. (Der mehrsekündige Kotzreiz, als ich mich an Bryan Adams „Have You Ever Really Loved a Woman“ erinnert fühlte, musste erst einmal verwunden werden.)

Zum Ende des Albums wird es leider etwas arg gediegen und kitschig, sodass ich mich genötigt fühle an dieser Stelle eher die ersten sechs Tracks zu preisen, und zu empfehlen „My Heart Is Hungry And The Days Go By So Quickly“ in Etappen zu hören, damit der popentwöhnte Indie-Hörer sich langsam und genüsslich mit einem – (fast) durchweg gelungenem – „Melancho-Pop“-Schmankerl anfreunden kann. Denn er sollte!

05.05.2020 Hamburg – Uebel & Gefährlich
06.05.2020 Köln – Subway
07.05.2020 München – Folks!
09.05.2020 Berlin – Frannz Club

VÖ: 03. April 2020 via HFN Music