Von Nico Beinke, 13. September 2019

Die Norwegerin hat einen – ihr eigenen – Sendungsauftrag, den sie dem geneigten Hörer recht offensiv darreicht. „The Practice Of Love“ (Track) ist gar ein mystisch-esoterischer Brainstorm, zeitgleich vorgetragen von Laura Jean Englert und Vivian Wang – sicher kein Zufall, wenn das Album den gleichen Namen trägt.

Jenny Hval führt ihre, für sich und ihr Werk, etablierte Mischform aus Narrativ und entrücktem Gesang fort, aber anders als „Apocalypse, Girl“ von 2015 klingt sie heutzutage weniger zerrissen und flehentlich, eher salbungsvoll und über den Wolken schwebend. Parallelen zu Kate Bushs Spätwerk „Aerial“ sind feststellbar, aber Alles ist noch traumwandlerischer, Anleihen aus allen möglichen „poprelevanten“ Dekaden inbegriffen. 1990er-Jungle-Beats („Six Red Cannas), ein feuchtschwüles Saxofon in „High Alice“ und die omnipräsenten Synthie-Wölkchen, die alles in Watte zu packen vermögen. Das ganze Album klingt irgendwie überirdisch schwebend und bleibt unerreichbar weit weg. Vielleicht nicht Hvals bestes Werk, aber interessant ist es allemal.

16.10.2019 Frankfurt – Mousonturm

VÖ: 13. September 2019 via Sacred Bones Records