Kadavar – Rough Times
© Elizaveta Porodina

Kadavar Rough Times

Wachstum und Qualität einer Band stehen bekanntlich nicht immer im gleichen Verhältnis. Bei Kadavar hatte schon der erste Schritt mit ihrem Debüt im Gepäck gewaltige Ausmaße, die mit den folgenden zwei Platten und entsprechenden Majorlabel-Strukturen noch weiter anwuchsen. Es ist erstaunlich und irgendwie auch beruhigend, wie weit man es mit Understatement und ausgeklügeltem Retrocharme in den 2010ern bringen kann. Spurlos geht so etwas jedoch an keiner Band vorbei und kann manchmal auch ins Gegenteil umschlagen. So allerdings nicht bei Kadavar. „Rough Times“ ist ihr vierter großer Wurf und dieser holt die Berliner erstaunlich gut zurück auf den Boden der eigenen Soundtatsachen. Eigenes Studio statt Hochglanzrecording und sympathische Wut-Breitseiten anstelle von hipper Retro-Ästhetik.

Gleich die ersten drei Songs knüppeln den geneigten Hörer nahezu nieder, wie es Kadavar vielleicht noch nie zuvor getan haben. Zumindest nicht vom Band. Der Titeltrack gleich zu Beginn ist ein echtes Statement, wirkt gar wie ein Befreiungsschlag und bestätigt gemeinsam mit darauffolgenden Songs wie etwa dem grimmigen „Into The Wormhole“, dass die Band keinerlei Spielfreude eingebüßt hat und in einer neu gewonnenen Energie und Kompromisslosigkeit aufgeht. Während sich das Trio vor allem live kontinuierlich weiterentwickelte, sackte insbesondere das letzte Album „Berlin“ im Verhältnis eher ab und schnürte Kadavar in ein seltsames Konzept-Korsett, das sowohl ästhetisch als auch inhaltlich nur Fragmente abbilden konnte, im Großen und Ganzen aber zu kurz griff. Ganz anders kommt nun „Rough Times“ daher, wirkt ungeschminkt und ohne dabei prätentiös anzumuten dennoch mächtig. Dahinter steckt eine perfekt eingespielte Band und vielleicht genau diese eine sogenannte „Realness“, die sich nicht im Katalog bestellen oder nachbauen lässt, sondern die einfach irgendwann da ist.

Songs wie etwa „The Lost Child“ oder auch das abschließende „A l’ombre du temps“ (Dragon lässt grüßen) bringen dann noch einen genau richtigen psychedelischen Spin ins Album, der der Band, genau wie auch das mit hervorragendem Augenzwinkern inszenierte Video zum Vorabsong „Die Baby Die“, sehr gut zu Gesicht steht. Zum Ende hin werden sie dann doch etwas milder, der ungstüme Anfang allerdings hallt noch hörbar nach. Dass Kadavar 2017 ein solches Album kredenzen, ist eine Liebeserklärung an die eigene Überzeugung (Lindemann: „Was sollten wir denn sonst tun? In der normalen Welt sind wir nutzlos.“) und in seiner Imperfektion der Beweis, dass die besten Platten doch in den eigenen vier Wänden entstehen. Häufig braucht es eher Gelassenheit als Krampf, um so eine Punktlandung zu erzielen. Ob es sich genau um diese handelt, darüber lässt sich, wie immer, vermutlich streiten. Am Ende ist „Rough Times“ das Sound-gewordene Brett, das man seinen Widersachern nur zu gern vor den Latz knallt.

12/10/2017 Essen – Zeche Carl
13/10/2017 Hamburg – Markthalle
14/10/2017 Leipzig – Conne Island
25/10/2017 (CH) Monthey – Pont Rouge
26/10/2017 (CH) Aarau – Kiff
27/10/2017 München – Backstage
28/10/2017 (AT) Wien – Flex
29/10/2017 (AT) Graz – PPC
05/11/2017 Nürnberg – Hirsch
08/11/2017 Hannover – Capitol
15/11/2017 Köln – Bürgerhaus Stollwerck
16/11/2017 Wiesbaden – Schlachthof
17/11/2017 Stuttgart – LKA Longhorn
18/11/2017 Berlin – Columbiahalle
20/12/2017 Bremen – Tower
21/12/2017 Mannheim – Alte Feuerwache
22/12/2017 Münster – Sputnikhalle
28/12/2017 Chemnitz – AJZ Talschock
29/12/2017 Siegen – Vortex

VÖ: 29. September 2017 via Nuclear Blast
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