Von Oliver Schröder, 21. Februar 2020

Der Noise-Rock-Rumpf ist tot, die vielköpfige Hydra lebt weiter. Der Output der ehemaligen Sonic-Youth-Mitglieder bleibt weiter ungestoppt. Auch Mitbegründer Lee Ranaldo war seit 2011 nicht untätig und veröffentlichte in dieser Zeit, neben zahlreichen weiteren Kollaborationen, vier Soloalben in unterschiedlicher Besetzung. Für das fünfte arbeitete er das zweite Mal mit dem spanischen Musikproduzenten Raül Refree zusammen, mit dem er sich anscheinend vorstellen kann, in Zukunft fest zusammenzuarbeiten.

Eine neue Konfiguration haben sie gefunden, sagt Ranaldo dazu. Konkret für „Names Of North End Women“ bedeutet das einen deutlichen Schritt weg vom dominierenden Gitarrensound, hin zu einer Art Songwriter-Collage mit Field Music, Spoken-Word-Passagen und dem analogen Rauschen alter Kassettenbänder:

This record began as playing with samplers and cassette players, as experimental music, musique concrete, poly-rhythms

Refrees Beschreibungen klingen erst einmal sehr nach experimenteller Zerfaserung, allerdings steht trotz aller Geräusche und eklektischer Arbeitsweise am Ende immer ein Produkt, das man getrost als Song bezeichnen kann. „Names Of North End Women“ ist ein in Teilen sogar recht zurückhaltend und konventionelles Album, das weniger auf verstörende Effekte setzt, sondern sich eher unaufdringlich heranarbeitet und den Hörer mit ausbalancierter, vielschichtiger Spannung überzeugt. Wozu auch Ranaldos weiterhin einzigartig gute Gesangsstimme einen großen Beitrag leistet.

27.04.2020 Nürnberg – Z-Bau
28.04.2020 Berlin – Roter Salon
30.04.2020 (AT) Krems – Donau Festival

VÖ: 21. Februar 2020 via Mute