Von Christoph Walter, 24. Januar 2020

Auch im Jahr 2020 gilt es wieder, einige Titel zu verteidigen. Dass Portugals Fußballer erneut Europameister werden, dürfte trotz des alterslosen Cristiano Ronaldo eher unwahrscheinlich sein. Dass Lola Marsh spätestens im Festivalsommer einmal mehr zu Israels „coolstem Pop-Export“ gekürt werden, ist dagegen so gut wie sicher, denn mit ihrem zweiten Album „Someday Tomorrow Maybe“ hat die Band um Yael Shoshana Cohen und Gil Landau einen mehr als soliden Grundstein dafür gelegt.

Bereits die drei vorab veröffentlichten Songs lieferten zuletzt einen durchaus repräsentativen Querschnitt der gesamten Platte. „Echoes“ als gelungene Kombination von staubigem B-Movie-Flair und einem eingängigen Poprefrain, „Only For A Moment“ als luftiger Sommersong und „What Am I“ als staunender Rücklblick auf die immens erfolgreichen letzten Jahre der Band aus Tel Aviv — da war eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei. Die stilistische Vielfalt setzt sich nun auch auf dem fertigen Album fort, denn zeitgemäße Popsongs (mal mit großem Gestus wie in „Hold On“, mal formatradiotauglich wie „Give Me Something“) wechseln sich auf „Someday Tomorrow Maybe“ munter ab mit eher minimalistischen Folkpop-Stücken. Gerade Letztere tragen trotz ihres vergleichsweise einfachen Strickmusters in besonderem Maße zum liebenswerten Charme des Albums bei.

„Strangers On The Subway“ erinnert mit seiner zurückgelehnten Lofi-Atmosphäre an die Kings of Convenience, während Ältere bei „Four Long Seasons“, bei dem eine putzige Melodie auf einen wehmütigen Text trifft, womöglich an die amerikanischen One-Hit-Wonder von Sixpence None The Richer denken müssen. Der Titelverteidigung steht also nichts im Wege. Ronaldo darf froh sein, dass Lola Marsh nicht auch noch kicken können.

Wir freuen uns, die Deutschland-Termine präsentieren zu dürfen und empfehlen einen Besuch.

02.10.2020 Köln – Artheater
03.10.2020 Berlin – Bi Nuu
05.10.2020 Hamburg – Nochtspeicher
11.10.2020 München – Ampere
13.10.2020 Frankfurt – Zoom
14.10.2020 Erlangen – E-Werk
16.10.2020 Hannover – Café Glocksee
17.10.2020 Bremen – Lagerhaus

VÖ: 24. Januar 2020 via Anova Music