Von Stefan Killer, 02. August 2019

Russian Circles ist eine Band, die wie kaum eine andere den instrumentalen Postmetal des vergangenen Jahrzehnts geprägt hat. Nur mithilfe ihrer Instrumente zeichnet sie das Bild einer Gesellschaft, die nur selten Ruhe und Frieden findet. Oder finden will? Für „Blood Year“, das neue Album, ist das Trio zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Und das ist nicht bildlich gemeint.

Introähnlich geht’s mit „Hunter Moon“ los – klingt erst mal unspektakulär mit atmosphärisch getragener Clean-Gitarre. In „Arluck“ treiben Dave Turncrantz (Schlagzeug) und Brian Cook (Bass) dann aber das bekannte Unbehagen Michael Sullivans (Gitarre) an. Von Computeranmut in Tappingform über hallgefärbten Trübsal bis triolischem Metal-Bollwerk bläst dieser einem wieder sein ganzes Können um die Ohren. Fans erkennen vielleicht Figuren und Klangfärbungen aus Vorgängeralben. Wohl auch deshalb fiel die Wahl des Tonstudios wieder auf das von Steve Albini, wo „Enter“, „Geneva“ und „Memorial“ entstanden sind.

Single-Note-Blöcke in Akkordarbeit
Generell ist der Sound auf „Blood Year“ dementsprechend wieder sehr rhythmisch und mit Fokus aufs Schlagzeug ausgefallen. „Milano“ wirkt wie ein melodischer Rückblick in eine göttlich geprägte antike Wüste. Spitz und doch mächtig wie die Pyramiden selbst stapeln sich Single-Note-Blöcke in Akkordarbeit. Der Teufelskreis schließt sich mit der Anfangsfigur.

„Kohokia“ lässt während der Halbzeit von „Blood Year“ ein paar verstohlene Lichtblicke in der typisch instrumentalen Düsternis von Russian Circles zu. Wäre es tontechnisch anders umgesetzt und eine Lage Gesang drüber, könnte das Stück in der Mitte – also etwa nach der durchschnittlichen Länge eines gewöhnlichen Songs – glatt als poppiger Postpunk durchgehen. Ist es aber nicht.

Brachiales Spektakel
Und nach dem verhältnismäßig kurzen Picking-Intermezzo „Ghost on High“ ist schnell wieder klar, welcher Ton vorherrscht. Mit „Sinaia“ liefert Russian Circles durch aggressiv dargebotene Zerrwände und in Hall eingebettete Tonsticheleien Postrock durch und durch. Den Schluss bildet „Quartered“, womit sich die Band zum wohl brachialsten Spektakel ihrer Geschichte bekennt.

Ob auf Platte oder Tour (voraussichtlich im Jahr 2020 in neølyden Gefilden), Russian Circles ist eine sichere Wahl für finstere Tiefen – und manchmal aufwühlende Harmonie. „Blood Year“ ist da keine Ausnahme.

VÖ: 02. August 2019 via Sargent House