Von Stefan Killer, 09. Juli 2020

Trainer absolviert mit seinem Debütalbum gleich mehrere Stationen der neuen Popgeschichte. Neben den gern genommenen Posthardcore- und Mathrock-Einflüssen finden sich auf „Athletic Statics“ auch gewagtere Spielarten. Die ungewöhnliche Besetzung dürfte ein Grund dafür sein.

Trainer kommt ohne Bass aus, was auf das Songwriting einzahlt. Denn wer sich ohne das heute schon fast obligatorische Octaver-Effektpedal oder Synthiegeplänkel rauswagt, muss kreativ werden, um sich Gehör zu verschaffen. Im Fall von Trainer äußert sich diese Kreativität meist in dem konkurrierenden Gitarrefrickeln oder Storytelling mancher Protestbands. Bestes Beispiel ist schon der Opener, in dem der titelstiftende Ausruf „ow-eeh-uh“ Thema einer gesanglichen Variation wird – von Spoken Word bis Hardcore.

Treibende Takte

Songs wie „Once in a Lifetime“ zeugen von einer musikalischen Bewegung, die sich ihren Weg aus den Problemvierteln der Städte in den Achtziger- beziehungsweise Neunzigerjahren, rein in den musikalischen Wohlstand gebahnt hat. Den Wohlstand der (ausbleibenden) Melodieführung, Hallfahne und Selbstreflexion. Ob das der Anspruch von Trainer ist, sei dahingestellt. Bei „Athletic Statics“ kommen einem aber unweigerlich fortschrittliche Köpfe wie Omar Rodríguez-López und Zack de la Rocha in den Sinn.

Wohin auch immer sich Trainer künftig hangeln möchte, die erste Station haben die vier Männer aus Saarbrücken erfolgreich absolviert. Hier und da stünden der Band eine Handvoll mehr treibende Takte wie in „Object NOI“ gut zu Gesicht, nicht zuletzt wegen der animierenden Zeilen im Refrain. Doch das gehört zur Selbstoptimierung. Album Nummer zwei lässt hoffentlich nicht lang auf sich warten.

VÖ: 03. Juli 2020 via Fidel Bastro