Von Nico Beinke, 01. April 2020

Die Kunst ist es, es zwar kaputt klingen zu lassen, aber nicht gebrochen. Kaputt ist ein Zustand, der einen Freiheiten erlaubt und auch die Erkenntnis nicht mehr funktionieren zu müssen, oder zu wollen. Gebrochen bedeutet hingegen, irreparabel kaputt gegangen zu sein.

„Unmask Whoever“, das erste Album der New Yorker von Activity ist kaputt. Dieses gute kaputt, zwar etwas paranoid, aber nicht existenzbedrohend, eher so, als ob der letzte Joint nicht unbedingt auch noch hätte geraucht werden sollen. Nine Inch Nails, aber ohne das manische Element, ohne dass es zu hoffnungslos verloren klingt, wie im drogenindizierten Fieberwahn. Ohne die Allmachtsphantasien, die Trent Reznors Protagonist während der „Downward Spiral“ durchlebt, die immer wieder auf schwer manische, depressive Episoden treffen. Vielmehr erinnern Activity an die Geister-Disko von Suuns während „Images Du Futur“ von 2013, einem wahren Meilenstein der kanadischen Indie-Szene.

Um zwei Beispiele herauszupicken aus den zehn Tracks: „Looming“ an fünfter Stelle bedient die – mittlerweile etwas überstrapazierten – Psychedelia-Standards, wie wir sie schon von dEUS während „In a Bar, Under the Sea“ 1996 gehört haben. Wiederum „Calls Your Name“ wie aus derselben Zeit klingt, allerdings stark nach Massive Attack unter Zuhilfenahme des Trip Hop-Alchemisten Tricky.

Ein beeindruckendes Debüt, dass einigen wahren Helden der 90er Jahre ein Denkmal setzt. Es bedient unaufdringlich den Zeitgeist und unterstreicht klanglich den Charakter des Nebenprojekts, denn viel mehr wollen Activity wohl gar nicht sein. Obwohl sie sich – selbst als feste Band – vor wenigen Psychedelic-Combos unserer Zeit verstecken müssten.

VÖ: 27. März 2020 via Western Vinyl