Timber Timbre – Sincerely, Future Pollution
© Caroline Desilets

Timber Timbre Sincerely, Future Pollution

„Intensiv“ – Irgendwann fällt das Adjektiv, wenn man sich mit der Musik von Timber Timbre beschäftigt. Wobei „beschäftigt“ zu bürokratisch nach Workflow klingt. Die Kanadier saugen den Hörer mit ihrem sechsten Album ein, kauen genüsslich und spucken am Ende einen Menschen aus, der eine gleichermaßen erhabene wie pessimistische Sicht auf die Dinge hat. Bisher landete man am Ende regelmäßig alleine in einer staubig-schmutzigen Americana-Bar, durch die einsame Gitarren-Twangs hallten und einen Taylor Kirks Stimme – halb tröstlich, halb drohend – sanft umgarnte. Heute landen wir benommen und von Dunkelheit umgeben in einem Tech-Noir-Dickicht aus kühlem Stahlbeton, Asphalt und grellen Werbetafeln. Umgeben von vielen Menschen, aber genauso alleine.

„Sincerely, Future Pollution“ ist immer noch Blues, immer noch dunkelgrau bis schwarz, immer noch dominiert von Hell-Dunkel-Kontrasten. Aber nun sorgt nicht länger die Dunkelheit, sondern ein gleißendes Neonlicht für unheilvolle Schattenbilder, die eine deprimierende Zukunftsaussicht aufziehen lassen. Im weitgehend instrumentalen Titelstück oder dem synth-flächigen „Bleu Nuit“ bewegt sich die Band durch ein unmittelbar bevorstehendes Morgengrauen, vorangetrieben durch den drängenden Herzschlag eines maschinellen Beats. „Sewer Blues“ ist ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie die Band ihren Retro-Rock-Sound durch pulsierende Synthesizer ergänzt, die man auch als Anbiederung an den andauernden Achtziger-Trend sehen könnte. Allerdings ergibt dieser Schritt dafür einfach zu viel Sinn. Zum Abschluss gibt es mit „Floating Cathedral“ einen Lichtblick, den man nach all der Tristesse auch stark herbeisehnt. Auf diesem versöhnlichen Stück Softpop wirkt auch Kirks Stimme das erste Mal wieder wärmend.

Timber Timbre liefern einen deprimierenden Blick in eine Zukunft, deren Ursprung ganz klar in unserer gegenwärtigen Zeit zu finden ist. Erlösung ungewiss.

10/04/2017 Köln – Luxor
11/04/2017 Berlin – Huxley’s Neue Welt
15/04/2017 Hamburg – Uebel & Gefährlich
23/08/2017 Bochum – Jahrhunderthalle (Ruhrtriennale)

VÖ: 07. April 2017 via City Slang
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